Montag, 17. April 2017

Premierenhose und ein bisschen Klönschnack

Das Nähen von Hosen gehört immer noch zu meinen Angstgegnern.
Auch wenn ich inzwischen schon mehrere tragbare, darunter sogar zwei für meine Standards richtig gute Exemplare hinbekommen habe, ist ein Hosenprojekt für mich immer ein Angang.

Im Rahmen des Spring Style Alongs habe ich mir aber zwei Hosenprojekte auf den Zettel geschrieben, und eines davon ist - Tschakaa! - inzwischen fertig.
Und es war gar nicht schlimm. Vor allem ist es die beste Hose geworden, die ich bisher zustandegebracht habe. Aber der Reihe nach.

Bei K*rst*dt habe ich kürzlich einen Nadelstreifenstoff erwischt. Schon lange wünschte ich mir eine Nadelstreifenhose. Beim Preis von 11 EUR / m ließ ich Stoffdiät Stoffdiät sein, der Stoff kam mit. Als Schnitt habe ich mir den erprobten "Classic Flares" aus Ottobre 2/13 ausgesucht, dieser hat einen Sattel (was mir bei meinem Hohlkreuz die Anpassung im Rücken erleichtert) und Boot-Cut-Beine. Da ich aber eine Marlenehose wollte, habe ich die Beine von einem Burdaschnitt angesetzt. Die Taschen habe ich diesmal weggelassen (Rat von Frau Küstensocke: "Taschen tragen auf!") - ob sich das im Alltag bewährt, wird sich dann zeigen.

Beim Nähen hatten diesmal viele Helferlein ihre Premiere. Anfang des Jahres habe ich mir für relativ kleines Geld beim großen gelben Onlinehändler einen 32-teiligen Satz Nähfüße für meine Maschine gekauft. Und ich muss sagen, so manches Helferlein ist weltklasse!



Diese teste ich nach und nach aus, bisher habe ich mich bsonders in den Kantenfuß verliebt, der mir endlich akkurate Nähte entlang von Kanten beschert! Damit habe ich den Sattel der Hose abgesteppt, und ebenso die Gürtelschlaufen, die ich vorher mit dem Schrägbandformer gebügelt habe. Mit Wonderclips gesichert, flutscht auch nichts mehr weg, und so habe ich  - Premiere 1 - die akkuratesten Gürtelschlaufenstreifen ever fabriziert.
 Ein weiterer toller Helfer ist der Schrägbandeinfasser. Der war eigentlich der Grund, weswegen ich mir das Nähfuß-Set überhaupt angeschafft habe. Stufenlos verstellbar, hat man damit ruckzuck offene Kanten - in diesem Fall der innere Bundstreifen - mit Schrägband versäubert. Premiere Nr. 2!

Die Hose schließt mit einem konventionellen Reißverschluss, der mir auch gern mal misslingt, oder an dem ich lange rumfummeln musste. Diesmal habe ich mich ganz genau an die Anleitung gehalten (Ottobre hat hier eine sehr gut bebilderte), und - voilá: Es entstand auch noch ein sehr sauberer Reißverschluss.

Als Premiere Nr. 3 habe ich die Hosenbeinsäume mit Saumfix gearbeitet. Das ist eine klasse Sache, aufbügeln, umbügeln - fertig! Leider habe ich hiervon kein brauchbares Foto, und ich bin auch mal gespannt, wie dauerhaft diese Lösung ist. Aber es ist wieder eine schnelle und saubere Sache, ganz nach meinem Geschmack!

Und da ist sie nun, meine neue Hose! (Bitte entschuldigt das schlechte Foto. Die Kamera war mit den Lichtverhältnissen einfach überfordert.)

 Hier zeige ich euch noch mal die schöne Innenansicht mit der Schrägbandversäuberung...


 ... und meine Gürtelschlaufenlösung. Nämlich genau für einen sehr schmalen Gürtel. Im Leo-Design. Es tut mir Leid - den fand ich so großartig, den musste ich unbedingt haben.

Beim Nähen der Hose suchte ich ständig verstohlen nach der versteckten Kamera. Es lief einfach alles wie am Schnürchen. Bis auf die üblichen Anpassungen am Bund gab es keinerlei Gezumpel und keine Katastrophen. Ich bin ganz high von diesem unerwarteten Erfolg!

Der Stoff (50% Viskose, 50% Polyester) ist zwar sehr weich, knitterfrei und trägt sich wirklich angenehm, allerdings wärmt er so gut wie gar nicht. So ist die Hose bei den aktuell noch herrschenden Temperaturen nur begrenzt einsatzfähig, wie ich am Ostersonntag erfahren musste, als die Premierenhose ihre Premiere hatte.

Mit Freunden haben wir einen Ausflug Richtung Eckernförde gemacht und zunächst einmal die Globetrotter Lodge bei Ascheffel angelaufen.

Wer immer mal in diese Ecke kommt, sollte einmal dort einkehren. Allein architektonisch lohnt sich der Besuch. Am Innendesign konnte ich mich kaum sattsehen, das war bis hin zu der Beschriftung der Toilettentüren wirklich alles aus einem Guss und eine Augenweide. Lecker Essen gab es natürlich auch, unter anderem den ersten Spargel des Jahres. Mjam!

Zur Lodge gehört ein Hotel (Mitte unten), ein Aussichtsturm, den man auch beklettern kann, und zum erweiterten Gelände gehört der Ascheberg mit stolzen 98.4 m Höhe und versehen mit einer Statue von Otto von Bismarck.

Diese Statue stand bis 1919 im (heute dänischen) Apenrade und wurde 1930 hier aufgestellt. Damals waren sich die Preußen, die Schleswiger und die Dänen überhaupt nicht grün. Aber auch heute gibt es wieder Bestrebungen im Schleswigschen, sich Dänemark anschließen zu wollen, und in den Landtagswahlen tritt der Südschleswigsche Wählerverband an, um die Interessen der Dänen und Friesen im Land zu vertreten.

Oben auf dem Aussichtsturm hat man eine wunderbare Aussicht, man konnte sogar die Ostsee sehen. Allerdings war es dort oben auch ganz schön windig, weshalb ich in meiner dünnen Hose nicht so erfreut dreinschaue.
 Zum Kaffeetrinken führte uns der Ausflug dann noch nach Eckernförde. Ein wirklich entzückendes Städtchen, und zum Ostersonntag war tüchtig Betrieb in den Straßen, denn dank Bäderregelung waren die meisten Geschäfte geöffnet und es war eine Lust zu Bummeln.


Auf dem Bild rechts scheint es, als sei die Hose etwas zu lang - tatsächlich ist das nicht so. Beim nächsten Mal würde ich allerdings den Bund wohl ein paar Zentimeter tiefer setzen. Wenn man keine Taschen vorsieht, ist das ja überhaupt kein Thema.

Der Mann, den ich hier so herze, ist Wilhelm Lehmann, ein Pädagoge und Schriftsteller, der in Eckernförde gewirkt hat. Der Herr auf dem rechten Foto ist Lorenz von Stein, Staatsrechtler und Nationalökonom. Seine Herzensangelegenheit war die Unabhängigkeit der Schleswiger von den Dänen in den 1850er Jahren. Ich will gar nicht so viel dröge Geschichte herunterleiern, aber in diesem Zipfel der Welt fällt es mir doch sehr auf, wie gegenwärtig die jüngere Geschichte ist, wenn man die Augen ein bisschen öffnet.  Ich finde das sehr spannend.
Die beiden Herren stehen übrigens auf dem Rathausmarkt, und gleich in unmittelbarer Nachbarschaft ist das urige Café Heldt, das ein meterlanges Tortenbuffet bietet.

Hier wurde dann der Osterausflug zünftig beschlossen - und die Hose hat sich sehr bewährt: Es gibt ja nichts Besseres als eine Hose, die nirgends kneift! Übrigens habe ich mir schon die nächste Hose auf die Projektliste gesetzt. Ich hoffe, ich kann diese Woche zuschneiden!

Wettermäßig hat sich seit dem Wochenende übrigens kaum etwas geändert, in der Nacht gab es Frost, und nun sehen die Tulpen ganz schön traurig aus: 

Mit dieser Erkenntnis verlinke ich mich zum MeMadeMittwoch. Claudia vom Blog bunte kleider
zeigt ein Tuuli Dress im Leoprint.


Kommentare:

  1. DIe Hose ist dir wirklich gut gelungen - du kannst stolz auf sie (und auf dich) sein! Ich kann die Start-Hemmung beim Hosennähen gut verstehen, mir ging es ähnlich, bis ich gerade jetzt ein Aha-Erlebnis hatte (mit der Morgan-Jeans, übrigens ein super RV-Schlitz-Tutorial beim Ginger-Sewalong...). Viel Spaß mit dieser und allen folgenden Hosen und lg
    Almut

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  2. Oh. Eine Hose. Das traue ich mir nicht ;-)

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  3. Sehr chice Hose! So etwas steht bei mir auch noch auf der Wunschliste!
    LG Monika

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  4. Toll, die Hose, vielleicht traue ich mich da dann nächstes Jahr mal ran...
    Das zweite Exemplar flutscht dann bestimmt genauso! Und der Gürtel! Ich will auch!! Und super in Kombination mit den Nadelstreifen!
    LG Petra

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  5. beeindruckend, die ist richtig toll geworden!
    Hosen sind auch noch mein Angstgegner, nicht nur beim Nähen, sogar beim Einkaufen. Eine Hose so zu nähen, dass sie perfekt passt, ist ein Traum. aber irgendwann kann ich das auch!

    LG Nadi

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  6. Die Hose sieht grandios gut aus, da hast Du einen echten Treffer gelandet!
    Farblich auch noch sehr kombifreundlich, besser geht's doch fast nicht :)
    LG
    Katrin

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