Sonntag, 18. Juni 2017

Ein (Maschen)Feines Treffen!

Am vergangenen Wochenende war es endlich soweit: Das erste offizielle Treffen von Maschenfein fand statt in Berlin.
Etwa 30 Strickverrückte Frauen, die einen der knappen Plätze ergattern konnten, trafen sich in der Dawanda Snuggery, um einen Tag lang zu stricken, zu plaudern und aus virtuellen Freundschaften echte Bekanntschaften zu schließen.

Schon Wochen vorher köchelte die Vorfreude in der Facebook-Gruppe immer höher, und die Erwartungen waren hoch. Und sie wurden noch übertroffen - aber der Reihe nach.

Für mich startete die Reise nach Berlin etwas holprig. Mutig und trendbewusst hatte ich ein Flixbus-Ticket gebucht, um zwei Minuten vor Abfahrt per SMS darüber informiert zu werden, dass mein Bus um 11 h nicht kommen würde, sondern ich auf 17 h umgebucht sei. Alle Mitreisenden teilten dieses Schicksal, und nachdem der erste Ärger verpufft war, taten sich verschiedene Fahrgemeinschaften zusammen. Ich hatte das Glück, eine Mitfahrgelegenheit im Auto zu ergattern, mit einer Frau, die zu einer Fortbildung nach Berlin musste, und einer älteren Dame, die ihren Sohn besuchen wollte. Das erste Mal in meinem Leben fuhr ich quasi per Anhalter, und es war eine ganz unterhaltsame Reise.

In Berlin angekommen, bestand die nächste Herausforderung darin, zum Hotel zu gelangen. Ich bin Expertin darin, bei U- und S-Bahnen in die falsche Richtung einzusteigen und den falschen Ausgang zu wählen. Aber schließlich konnte ich einchecken und machte mich gleich auf den Weg zu meinem ersten Ziel an diesem Tag: PAUL KNOPF in Kreuzberg.

Über den Laden hatte ich einmal gelesen, und ich muss sagen - er lohnt unbedingt einen Besuch! Drin durfte ich leider nicht fotografieren, aber auf dem rechten Bild gewinnt man einen Eindruck über das Geschäft: Es ist von oben bis unten vollgestopft mit Knöpfen in allen Farben, Formen und Materialien. Dazu zwei Bedientresen von Anno Tobak, dahinter zwei sehr unterhaltsame Verkäufer (darunter Paul himself), die sich intensiv mit den Wünschen ihrer Kundschaft auseinandersetzen und geduldig Knopfschachtel um Knopfschachtel aus den Regalen fördern. Das bedeutet Wartezeit - aber die ist so unterhaltsam, dass die Zeit wie im Fluge vergeht.
Im Idealfall geht man mit einem konkreten Projekt hin und lässt sich beraten - ich allerdings habe trotzdem hübsche Beute gemacht und blaue Perlmuttknöpfe und Holzknöpfe mitgenommen, und nebenbei einiges über Knöpfe gelernt.

Sehr zufrieden machte ich mich dann auf den Weg zum Potsdamer Platz, um wenigstens ein bisschen Touri-Atmosphäre zu atmen.

Das wunderbare Zeltdach ist einfach immer noch ein Hingucker, und es macht sehr viel Spaß, das Treiben darunter zu beobachten. Zeit war nur für ein - sehr teures, aber auch sehr leckeres - Eis, bevor es Zeit wurde, zum vereinbarten Treffpunkt für das Abendessen zu starten. Eine der Mitstrickerinnen war so nett, ein "Blind Date" zu organisieren bei einem Italiener mit sagenhaft großen Pizzen und einer ansprechenden Cocktailkarte. Und das Essen war ein voller Erfolg. Sechs Frauen trafen sich, und es gab keine Fremdelei, keine Zickerei, sondern von Anfang an munteres Geplauder und Geschnatter. Schnell wandten wir uns ab vom Stricken, sondern quasselten über dies und das, und die Zeit verging wie im Flug.

Das Highlight war aber natürlich der Samstag. Beim Auschecken an der Hotelrezeption wurden meine Freundin und ich von einer wildfremden Frau bestürmt: "Fahrt ihr auch zum Stricktreffen? - Ich hab dich an deinem Pullover erkannt!" (Ich trug meinen Hint of Summer) "Nehmt ihr mich mit?" Erst ein paar Minuten später fiel uns ein, uns einander vorzustellen, und schon war der erste Lacher da und das Eis gebrochen.
Um 10 Uhr quoll die Snuggery über von strickbegeisterten Maschenfeinfans.
Frau Maschenfein hatte jede Menge Garnproben von Ito und Lamana spendiert, und die Chance, die exotischen Garne probezustricken, wurde eifrigst genutzt. Auch die Farbmusterbücher von Lamana, Ito und Pascuali wurden fleißig studiert, ebenso wurde der große Haufen fertig gestrickter Modelle aus maschenfeinen Garnen befühlt, probiert und beliebäugelt.
Es gab sogar maschenfein-Kekse! Und wiederum nette Getränke 🍸🍷🍹

Die Snuggery selbst gefiel mir auch ausgesprochen gut. Neben feinen Kuchen, kleinen Snacks und leckeren Smoothies gibt es auch viele Nettigkeiten zum Bestaunen und auch kaufen. In so einer ansprechenden Atmosphäre war es ein Leichtes, mit den Stricknachbarinnen ins Gespräch zu kommen.

Wie auch bei den Nähtreffen, die ich bisher besucht habe, war es auch hier so, dass es keine Zickereien gab, sondern lauter offene, freundliche, nette Frauen, die die gleiche Leidenschaft teilen. Die virtuelle Welt gaukelt einem ja häufig eine Vertrautheit vor, die in der analogen Welt keinen Bestand hat. Hier allerdings ist es mir mit einigen passiert, dass man aufeinander zuging und sich gleich fühlte, als kenne man sich schon ewig. Ganz wunderbar. Dazu natürlich die Fachsimpelei über Strickprojekte, die Garne, und was man daraus machen kann - insgesamt ein ganz ganz gelungenes Event! (Hierbei auch noch einmal ein ganz dickes DANKE an die Organisatorinnen!)
 
Jede Teilnehmerin erhielt als Geschenk das Maschenfein-Notizbuch mit Platz für Notizen, eigene Musterideen und Etiketten zum Beschriften von Maschenproben. Klasse!


Zum Stricken bin ich kaum gekommen. Ich habe mich ausschließlich auf die Ito-Garne gestürzt, die ich hier einmal kurz vorstelle:
linke Probe - von oben nach unten:
- Ito Gima 8.5: schmalesBändchengarn mit schönem Glanz aus 100% Baumwolle, hier in der Farbe Dahlia. Mich hat die ziemlich steife Haptik des Garns sehr erstaunt. Durch die Wäsche soll es weicher werden. Bei den fertig gestrickten Modellen war ein Tuch aus diesem Garn dabei, dass zwar sehr leicht war, aber immer noch ein bisschen hart. Meine Probe habe ich einfädig mit Nadel 2.5 gestrickt, und das Maschenbild sagt mir, dass eine halbe Nadelstärke durchaus angesagt wäre. Für ein leichtes Sommertop kann ich mir das Garn sehr gut vorstellen, würde aber einen Beilauffaden empfehlen.
- Ito Serishin: ein sehr luxuriöses Seidengarn in Bändchen- /Baststruktur, hier in der Farbe Mustard. Der wunderschöne Glanz hat mich angefixt, ebenso wie die bändchenartige Struktur. Sehr angenehm zu stricken (einfädig mit Nadel 2.5) ergibt das Garn ein hübsches Maschenbild. Für ein sehr exklusives Top ein eindeutiger Favorit, leider ziemlich teuer. Bei der super Lauflänge von 290 m  pro Kone braucht man aber wohl auch nicht sehr viel für ein Oberteil.
- Ito Kinu: ebenfalls ein Seidengarn, aber diesmal mit runder Fadenstruktur, hier in der Farbe Denim. Das Garn (Bouretteseide) wird aus Spinnresten hergestellt und zeigt daher kleinen Einsprengsel und Unregelmäßigkeiten. Überzeugt hat mich die sehr interessanten Haptik. Es fühlt sich schwer und "trocken" an, was mir unglaublich gut gefiel. Eindeutig ein Favorit - eventuell für diesen Pullover?

rechte Probe - von oben nach unten:
- Ito Gami Picot: Ein Schlaufengarn, hier in der Farbe Caramel, aus Baumwolle, Seide und Papier. Es hat eine ganz weiche Haptik durch den Baumwollanteil. Durch die Schlaufenstruktur musste ich aber erst einmal überlegen, wie man es am besten strickt. Strickt man den ganzen Faden, erhält man ein unregelmäßig strukturiertes Strickbild. Sticht man immer nur in die Schlaufen ein, ergibt sich ein puscheliges Gestrick, das mir persönlich besser gefällt. Beide Effekte kann man hier gut studieren, mein Foto gibt leider nicht viel her. Als Effektgarn für Akzente an Pullovern oder Jacken, oder auch als Einfassung für ein Tuch kann ich mir das Garn sehr gut vorstellen.
- Ito Urugami: ein Garn mit Papierkern, umsponnen mit Wolle. Meine Probe in der Farbe Sangria habe ich zweifädig mit Ito Shio gestrickt und bin sehr begeistert davon. Urugami hat einen ganz runden, glatten, festen Faden, und ist erhältlich in vielen tollen Farben. In das Knallgelb habe ich mich spontan verliebt, und mir fest vorgenommen, ein Sommertop daraus zu stricken.
- Ito Kinu Kasuri: wieder ein Seidengarn mit sehr unregelmäßiger Struktur, hier in der Farbe Brass. Sehr angenehm zu stricken, aber nicht gut zu ribbeln, da das Garn sehr leicht reißt. Die Struktur ergibt fast einen Bouclé-Effekt. Die Farben sind brilliant, allerdings ist zur Zeit keine Kombination erhältlich, die meinen Geschmack trifft. Mir persönlich ist der Farbverlauf auch zu unruhig. Gut vorstellen könnte ich mir das Garn als Akzent bei einem Pullover oder einer Jacke, um beispielsweise Kragen oder Tascheneingriffe abzusetzen.

Zum Andenken an den schönen Tag habe ich meine Materialproben in einen Bilderrahmen gesteckt, der in meinen Nähzimmer einen schönen Platz bekommen wird:

An meinem eigenen Projekt, meinem Schal, habe ich tatsächlich nur auf den Autofahrten gestrickt. Inzwischen habe ich die dritte Farbe - rot - abgeschlossen:
Der Schal bekommt noch eine I-Cord-Umrandung in weiß, und in Kürze gibt es zu diesem Projekt ein genaueres Update.

Erst einmal verlinke ich diesen Post zu Maschenfein - auf den Nadeln Juni.

Kommentare:

  1. Danke, Sandra für diesen tollen Bericht! Wir kamen zwar kaum zum Plaudern, aber ich hab mich riesig gefreut, dass Du dabei warst! Dein Maschenproben-Bild ist natürlich der Oberknaller :). Schön, dass es Dir so gefallen hat! Liebe Grüße, Marisa

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  2. Was für ein tolles Wochenende! Das hört sich nach viel Spaß an!
    LG Monika

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