Mittwoch, 18. Januar 2017

Ein schwerer (Wasser-)Fall

Zum Jahresende litt ich unter relativer Näh-Unlust.
Über die Weihnachtsfeiertage legte sich die jedoch wieder weitgehend, und ich suchte ein einfaches, unkompliziertes Projekt, um einen schnellen Erfolg zu erleben. Außerdem brauchte ich ein passendes Oberteil zu meiner Bleistift-Hose.

Ich bin ja ein großer Ottobre-Fan, und beim Blättern in der aktuellen Ausgabe gefiel mir das Modell "Warrior":
Quelle: Ottobredesign (Heft 5/16)

Und es sollte auch keine Kapuze dran sein. Also vielleicht so wie das Modell "Cover up"?
Quelle: Ottobredesign (Heft 5/16)
 Aber ohne Ärmel. Und mit einer Blende an Halsausschnitt und Vorderkante.

Wie ihr seht - die Suche nach der Eierlegenden Wollmilchsau hatte begonnen.
Erst mal schnitt ich meinen schwarzen Jersey mutig zu, netterweise basieren die beiden Modelle auf dem gleichen Schnitt.
Doch dann...
... nahm das Elend seinen Lauf. Die Nähte werden mit Rollsaum genäht, und hier streikte meine Ovi. Egal, welche Einstellung ich vornahm, die Nähte wellten sich und wurden knubbelig.
Eine Anprobe ergab zudem
- schwarz ist viel zu massiv und erdrückt mich optisch bei einem Cape dieser Art
- Der Schnitt an sich ist einfach nicht für mich gemacht
- und vielleicht war auch das Material nicht geeignet.
Jedenfalls war das Ergebnis alles andere als so elegant und lässig, wie es die Ottobre-Modelle sind, und das Projekt Warrior / Cover up wurde ad acta gelegt.

Ein einfaches, schnelles Projekt? Ha! Ganz schön schiefgegangen.
Nun war der Stoff ja schon zugeschnitten. Was also daraus machen?
Bei der Durchsicht meines Kleiderschrankes fiel mir ein inzwischen fadenscheinig gewordener Wasserfallpullover aus Viskose-Feinstrick in die Hände. Den Schnitt hatte ich mir schon lange mal abkopieren wollen. Also los!
Und mit ein bisschen Gepussel kriegte ich auch alle Teile auf dem Jersey untergebracht. Einzig das Rückenteil musste ich geteilt zuschneiden.


Die Schultern sind stark überschnitten, und die Ärmel sind eng und gerade geschnitten.

Ganz besonders stolz bin ich auf die sehr ordentlich gelungene Einfassung des hinteren Halsausschnitts:


Allerdings ist der Jersey, obwohl er sich sehr weich und fließend anfasste, doch etwas zu schwer und steif für den Schnitt. Der Wasserfall gerät dadurch sehr voluminös, und das aus Stoffmangel etwas zu schmal geratene Rückenteil verschärft das Problem noch. Dennoch finde ich das Shirt ganz gelungen, und habe es am Tag vor Silvester am Timmendorfer Strand in der Sonne spazierengeführt:

Da das Shirt, wie auch das Original, sehr kurz geschnitten ist, trage ich ein (Kauf-)Shirt drunter. So kombiniert gefällt es mir mit meiner Hose sehr gut. Ich fühle mich lässig, aber gut gekleidet. 
An so einem sonnigen Tag im sonst so trüben, grauen und dunklen Dezember war am Strand großer Andrang. Timmendorfer Strand ist immer noch ein genialer Ort, um die Haute Volée in Pelze gewandet und behängt mit Klunkern zu beobachten. Was es da alles zu sehen gibt....
Aber auch sonst gibt es einiges (und Schöneres) zu sehen - kommt mit auf einen kleinen Rundgang. Eine der beiden Seebrücken seht ihr ja schon oben auf dem Foto. Zu ihren Füßen findet im Frühjahr immer ein Polo-Turnier statt, und im Sommer Volleyballwettbewerbe.

Das Maritime ist natürlich überall präsent an der Küste, so auch hier:


Zum Baden - und auch zum Barfußlaufen - war es an dem Tag definitiv zu kalt. Andernorts an der Ostsee wird aber an Neujahr traditionell angebadet. Die Wassertemperatur liegt aktuell bei 5°C, das ist mir definitiv zu kalt!

Es geht sehr international zu in Timmendorfer Strand. Flugs ist man von der Osterinsel zum japanischen Teepavillon auf der neuen Seebrücke gewandert. (Hier soll es angeblich einen Glasfußboden geben, das muss ich beim nächsten Mal unbedingt herausfinden!)


Nur ein paar Schritte weiter ist man in Obhut von Buddha - in dem schmucken Häuschen befindet sich eine Buchhandlung, in der sich das Stöbern immer lohnt.

Und ein bisschen sinn für Humor hat man mittem im Schickimicki auch. Bruch - Immobilien?? Hoffentlich ist das kein geschäftsverhindernder Name...
Noch einmal zurück zum Shirt - wegen des fehlgeschlagenen ersten Versuchs habe ich 1.5 m Jersey verbraucht. Ich denke, mit 1m müsste man auch auskommen können, ohne das Rückenteil zu teilen, und könnte evtl sogar noch etwas mehr Länge herausschlagen .

Wenn mir einmal ein richtig schön weicher Jersey über den Weg gelaufen kommt, würde ich den Schnitt auch noch einmal nähen, ich finde, das Shirt hat einen lässigen Look und taugt trotzdem fürs Büro.

Mehr Inspiration für Selbstgenähtes findet sich wie immer hier beim MeMadeMittwoch. "Vortänzerin" Luise schildert ihre Erfahrungen mit dem Nahttrenner am Beispiel eines großartigen Rocks aus einer alten Gardine.






Kommentare:

  1. Manchmal sind die Wege zum Ziel etwas verschlungen! Das Ergebnis ist aber sehr schön geworden und passt gut in den Alltag!
    LG Monika

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  2. Einen Winterspaziergang an der Ostsee bei schönem Sonnenschein stelle ich mir herrlich vor! Schön, dass Du aus dem angefangenen Teil noch ein Shirt zaubern konntest. LG Angela

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