Dienstag, 14. Juni 2016

Holzskulpturen - gespaltene Persönlichkeiten

Im Frühjahr fällte ein Freund einen alten Birnbaum. Der beste Ehemann von allen stand bereit mit der Motorsäge - Hilfe gegen Holz, denn wir lieben es, in der kalten Jahreszeit den Kachelofen anzuheizen und es uns in der warmen Höhle gemütlich zu machen.

Das Holz musste nun gespalten werden - an einem warmen Samstag borgten wir uns also vom Nachbarn den Holzspalter und legten los.

Was ist Holz für ein tolles Material!
Ganz zufällig entstanden nämlich beim Spalten die tollsten Skulpturen - die ab sofort unseren Garten zieren.

Ich bin gespannt, ob ihr auch erkennt, was ich erkenne :) Und als Premiere habe ich meine Sicht als Zeichnung festgehalten:

"Der Maulwurf"


"Die Kampfbiene"


"Der Schrei" - frei nach Edvard Munch.



Und ein Manneken Pis gibt es nun auch. Das hab ich aber nicht gezeichnet.





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Mittwoch, 8. Juni 2016

Kreise im Rapsfeld

Ihr kennt das sicher auch - ein Stück Stoff springt euch an, klammert sich an euch und will partout mit euch nach Hause?


So ging es mir mit diesem weichen Jersey in petrol mit den lustigen Kreisen in kiwi, blau und weiß. Die erinnern mich irgendwie an Pusteblumen. Oder an Blubberbläschen von Fischen im Aquarium. Sofort ist klar - der muss mit, und es wird ein Shirt draus. Und zwar eines mit kiwifarbenen Ärmeln, da ich von meinem wild gemusterten Retroshirt noch Reste des Ärmelstoffs habe.

Zwar ist die Farbstellung nicht unbedingt "meine", aber weiß und blau findet sich ausreichend in meinem Kleiderschrank, so dass sich Kombipartner zum Shirt finden werden.

Gewählt habe ich wieder meinen Standard-Shirt-Schnitt "Autumn Mood" aus Ottobre 5/13. Dies ist nun das vierte Shirt nach dem Schnitt, die ersten drei habe ich hier, hier und hier gezeigt. Den Schnitt nähe ich inzwischen schon fast im Schlaf, und sogar der Ausschnittstreifen fügt sich nun.

Ratzfatz war das Shirt fertig, bei dem ich die Länge im Vergleich zum Originalschnitt um ca 15 cm verlängert habe. Mir gefällt die ausgestellte Form total gut, und besonders, dass es hinten etwas länger ist als vorne. Eigentlich ist es in der Länge mehr eine Tunika.



So konnte ich es in den letzten Zügen der Rapsblüte noch ausführen:
Das Shirt sitzt trotz der Taillierung schön locker und ist total bequem. Mit der schmalen Jeans gefällt es mir gut, sicher ist es aber auch nett zu einer weißen Leinenhose.

Auch von hinten sitzt es gut, wie ich finde - und das nächst Modell nach diesem Schnitt ist schon zugeschnitten.
 Von dem Rapsfeld aus kann man übrigens die Türme des Lübecker Doms sehen - schaut genau!

Und schaut genau vorbei am heutigen MeMadeMittwoch - es gibt wieder jede Menge Selbstgenäthes auf dem virtuellen Laufsteg! Lucy zeigt uns heute ihre selbstgenähten Prada-Modelle - ganz so elegant komme ich heute nicht daher, aber mit dem Grünton haben wir wenigstens farblich eine Gemeinsamkeit.


Mittwoch, 1. Juni 2016

Vom Scheitern, Schirmchen und Schleifchen

Beim diesjährigen Sewing By the Sea gab es nicht nur Stoffe zu tauschen, sondern auch eine Auswahl von Stoffen von Fashion for Designers zu kaufen. Darunter der Schirmchen-Stoff (Mikonosprint, 100% Viskose), der mir schon letzten Sommer vernäht als Blusenkleid auf einem Blog so gut gefallen hat, und den Frau Hobbycouture schon frühjahrstauglich in eine Pam verwandelt hat.

Natürlich ist es nicht so, dass bei mir Stoffmangel herrscht. Aber dieser Stoff MUSSTE mit, ganz klar. Und es sollte ein Blüschen werden - welcher Schnitt allerdings, das würde sich noch zeigen müssen.

Zwei Schnitte hatte ich näher ins Auge gefasst - Leo Bohemian aus Ottobre 05/2013, gezeigt hier, und diesen Schnitt aus Sabrina 01/2013:

Leo Bohemian erwies sich als gut nähbar, gefiel mir im Endergebnis aber nicht für den Schirmchenstoff. Blieb der Sabrina-Schnitt - obwohl ich mit diesen Schnitten und insbesondere den Erklärungen nicht gut zurechtkomme (s. das Drama um mein "Maulwurf-Shirt"). 

Da ich also ein gebranntes Kind bin, habe ich etwas für mich total Außergewöhnliches gemacht - nämlich ein Probemodell genäht aus einem Polystöffchen vom Stoffmarkt. Ursprünglich fand ich den Stoff total klasse und hatte ihn als Viskose in Erinnerung - bei der Verarbeitung traten allerdings alle Nachteile von Kunstfaser zutage.

Um es kurz zu machen - bei dem Probemodell ging so ziemlich alles in die Hose, was in die Hose gehen konnte. Ich hatte die Schnittteile schon vor längerer Zeit zugeschnitten und entgegen der Anleitung den Halsausschnitt der Schluppe mit Vlieseline verstärkt. Bei dem flutschigen Stöffchen habe ich dann mehrfach rechte und linke Stoffseite verwechselt und falsch zusammengenäht. Wo ich es gemerkt habe, habe ich getrennt - und die empfindliche Stoffdiva verzeiht das nicht, sondern zieht Fäden. Dass sie franst wie nix Gutes, setzte dann dem Ganzen noch die Krone auf. Während des Nähens entschied ich dann, dass das Stück ein Probemodell bleiben würde, denn auch die Anfassqualität des Materials während des Nähens war nicht angenehm.

Die Anleitung war erwartungsgemäß  - nämlich mäßig. Verwöhnt von Ottobre-Schnitten, die eine gute Schnittübersicht der einzelnen Modelle bieten, gibt es bei Sabrina mäßig übersichtliche Modellzeichnungen, auf denen das Wesentliche gerade nicht zu sehen ist. Zum Beispiel, wie genau die Schluppe am Halsausschnitt befestigt ist. Und wie stramm die Kräuselung vorzunehmen ist, damit die Schluppe passt. Zwar hat das Schnitteil Markierungen, aber zu welchem der Passzeichen am Halsausschnitt die gehören - Fragezeichen.
Ein Bein habe ich mir auch selber gestellt - da das Material sich nicht mit Overlock rollieren lassen wollte, habe ich den Schlaufenbeleg doppelt gelegt und damit die Schluppe sozusagen in der Breite halbiert. Zusammen mit der Vlieseline ergab das einen fiesen Stehkragen, der sich nicht bändigen lassen wollte.


Insgesamt ein Griff ins Klo - auch die Ärmel erwiesen sich laut Schnitt um 10 cm zu lang, so habe ich die Manschetten gar nicht mehr angenäht, sondern das ganze Ding in die Tonne geworfen.

Dennoch hatte ich einen so großen Erkenntnisgewinn, dass ich mich traute, den kostbaren Schirmchenstoff nach dem vergeigten Sabrina-Schnitt anzuschneiden.
- Ärmel um 10 cm gekürzt
- Schluppe einlagig zugeschnitten
- Alle Belege ganz genau zugeschnitten (dank meines neuen Saummessers kein Problem) - und die 1.5 m Stoff reichten wirklich ganz ganz knapp!

Nach der ausführlichen Proberunde war das Nähen an sich kein Problem mehr. Einkräuseln hatte ich außer beim Probestück bei der Bohemian-Bluse geübt, auch das klappte. Erste Hürde war dann doch das Schluppenteil. Am Originalmodell ist die Schluppe rundum rolliert. Zwar kann ich jetzt einen Rollsaum auch mit dem Rollsaumfuß nähen - aber das Ergebnis gefiel mir null. Während eines Fernsehabends habe ich das lange Schluppenteil dann mit der Hand rolliert (auch das kann ich jetzt) - doch angenäht am Halsausschnitt sah auch das nicht gut aus.


Also habe ich das Schluppenteil doch wieder der Länge nach halbiert, die Bindebänder verstürzt und den Rest an der Halsnaht im Nahtschatten angenäht. Auf dem Foto sieht man noch den handrollierten Saum am Ausschnitt hervorlugen.


Da ich das empflindliche Stöffchen nicht mit meiner brachialen Ovi malträtieren wollte, habe ich - Premiere! - die Bluse mit französichen Nähten genäht. Das hatte Frau Küstensocke bei einem ähnlich empflindlichen  Stoff schon mit Erfolg erprobt. Klappt bei mir gut (außer beim Einsetzen der Ärmel), macht doppelte Arbeit, aber ergibt einen schönen Effekt von innen.


Anders als beim Probeteil gerieten die Ärmel allerdings bannig eng. Die französischen Nähte verschärften das Problem natürlich noch - so saß ich eines sonnigen Sonntags im Garten am Teich, und mein neu erworbener scharfer (!) Nahttrenner wurde in Betrieb genommen. Nun sind die Ärmel zwar immer noch recht knapp, aber tragbar .

Ärmelschlitz, Manschetten und sogar die Knopflöcher fluppten dann wieder wie geschmiert,


 und endlich, endlich, war die Bluse fertig.
Getragen habe ich die Bluse auch schon, und zwar im Urlaub auf Usedom beim Abendessen im Wasserschloss Mellenthin - die Bilder sind auf der Schlossbrücke und am Schlossgraben aufgenommen.


Der Ausschnitt ist zwar ziemlich großzügig, aber durchaus noch im Rahmen, finde ich. Getragen macht auch das Bindeband einen guten Eindruck.


Die Leinenhose ist auch Me-Made, ein UFO aus dem letzten Jahr, dass ich beim Spring-Style-Along am Kragen gepackt habe. Sehr bequem - und in Kombi mit der Bluse hat das Ganze Potenzial zum Lieblingsoutfit 2016.

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich zum MeMadeMittwoch und geh mal schauen, was heute sonst noch auf dem virtuellen Laufsteg gezeigt wird. Gastbloggerin Nadelbernds Nähkästchen hat einen ähnlich empflindlichen Stoff wie ich vernäht, ihre Ängste vor dem Zuschnitt kann ich sehr gut nachempfinden!

Dienstag, 31. Mai 2016

Ohrringgarage - Ordnung für den Ohrschmuck

Vor längerer Zeit bin ich bei Pinterest über diese Ohrringaufbewahrung gestolpert.

Eine Freundin von mir hat nun Geburtstag und liebt Ohrringe. Leider bedauert sie immer, dass sie für ihre schönen Stücke keine geeignete Aufbewahrung hat.

Alles klar - soll sie bekommen!

Im blaugelben Möbelhaus habe ich einen schlichten aber edlen schwarzen Bilderrahmen besorgt. Die Scheibe und die Rückpappe habe ich entfernt, und schwarzen Tüll für die Bespannung des Rahmens ausgesucht.

Der Versuch, den Tüll mit Heißkleber zu befestigen, schlug kläglich fehl. Nicht nur verbrenne ich mir ständig die Finger am Heißkleber, er erkaltet auch immer, bevor er klebt.
Nach mehreren vergeblichen Versuchen habe ich den guten alten Holzkleber versucht, diesen schön dick aufgetragen - und der Tüll klebte  bombenfest.

Netterweise trocknet der Leim auch noch transparent ab und sieht damit ganz nett aus.

 Da ich die Rückpappe des Rahmens entfernt habe, kann man den Rahmen nur anlehnen. Als Alternative habe ich noch einen Aufhänger aufgeklebt, so kann meine Freundin den Rahmen wahlweise auch an die Wand hängen.

Bei einer Bekannten, die Schmuck entwirft und bastelt, habe ich als Zugabe noch Ohrringe besorgt damit meine Freundin den Zweck des Konstrukts erfasst.... hier der Beweis, dass die Aufbewahrung funktioniert.
Die Ohrringe scheinen fast zu schweben!

Und so könnte es aussehen, wenn meine Freundin ihr Geschenk in Betrieb nimmt: 


Da sie ihren Geburtstag auf einer Mini-Kreuzfahrt verbringt, habe ich das Geschenk auch themengerecht verpackt:

Ich hoffe, sie freut sich!

Und gebe damit diesen Beitrag zum
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Sonntag, 29. Mai 2016

Kimaya in Pastellfarben

Als im Frühjahr die neue Ausgabe von Verena Stricken erschien, war ich total geflasht vom Titelmodell.

"Kimaya" ist so schön bunt, und das Muster macht richtig was her.

Ich bin der Meinung, Jäckchen kann es niemals zu viele im Kleiderschrank geben, dennoch ließ ich das Heft erst mal im Regal liegen, da mir die Anleitung nicht so verständlich erschien.

Doch dann...

... wanderte die wunderbare Adriafil Kimera in den Online-Shop vom Wollschaf Charlotte, und es war um mich geschehen.





Kimera ist ein hochwertiges Garn aus ägyptischer Baumwolle, mercerisisert, und hat einen ganz tollen Farbverlauf.

Die Farbstellung (Nr 20), die ich mir ausgesucht habe, entspricht in etwa den Farben aus der Originalanleitung, bloß in Pastell. Kombiniert habe ich mit Cheope, dem gleichen Garn bloß ohne Farbverlauf, in creme.





Gespannt strickte ich die Maschenprobe: Das Garn strickt sich sehr schön, der Farbverlauf gefällt mir gut, und auch das Muster sieht viel schwieriger aus, als es ist. Allerdings - meine Maschenprobe war meilenweit entfernt von der in der Anleitung angegebenen, denn laut Anleitung sollen 43 Reihen (!) und 24 Maschen 10 x 10 cm ergeben. Mein Probestück hat entweder 25 oder 27 Reihen und 23 Maschen, je nach Nadelstärke. Die angegebene MaPro des Originalgarns sagt 19 Maschen / 27 Reihen. Einen Fehler in der Anleitung schließe ich aus, denn alle Längenangaben basieren auf den 43 Reihen. Sehr merkwürdig.



Also habe ich die Anleitung umgerechnet und beherzt angeschlagen.
Zuerst werden Vorderteile, Rückenteile und Ärmel getrennt gestrickt. So sieht das Ganze aus, bevor zur Halspasse alle Teile auf eine Nadel genommen und gemeinsam weitergestrickt werden.

Anders als in der Originalanleitung angegeben, habe ich auf die 6cm Rippenbündchen verzichtet, denn die erschienen mir zu "blockig".

Demnach musste ich die Knopflöcher statt im Halsbündchen im Muster einarbeiten, was aber kein Problem war. Knöpfe hatte ich noch in Omas Knopfkiste, aber - welchen nehmen? Perlmutt oder Holz?

Eine kleine Umfrage bei Facebook ergab ein eindeutiges Votum für den roten Holzknopf.

Da wegen des fehlenden Bünchchens am am Halsausschnitt 6cm fehlten, habe ich noch einen Mustersatz mehr gestrickt als vorgesehen, um den sehr weiten Halsausschnitt etwas zu verengen. Dabei im Muster zu bleiben, war eine kleine Denksportaufgabe, hat aber geklappt.

Und als weitere Premiere habe ich mich entschieden, statt des ursprünglich geplanten Rollrandes in creme eine I-Cord zu stricken. Kurz bei Youtube nachgesehen und losgestrickt - kein Problem.

Am Ende der Runde habe ich dann den Anfang der I-Cord mit dem Ende im Maschenstich vernäht - und das ist mir sogar unsichtbar gelungen. Ich bin begeistert - der Abschluss gefällt mir total gut, und ist für das farbenfrohe Jäckchen genau der richtige Rahmen. 

Et voilá, so sieht es nun aus, das tolle Stück:
 
 Hier noch mal die Knöpfe als Detail, ich war mir wirklich unsicher, bin jetzt aber sehr froh, dass ich dem Umfrageergebnis gefolgt bin und die roten Holzknöpfe verwendet habe.
 Und noch mal als Detail ein bisschen I-Cord und ein bisschen Maschenbild.

Ich bin wirklich total zufrieden. Das Jäckchen ist luftig, bunt und macht gute Laune.

Verbraucht habe ich aufgrund der stark abweichenden Maschenprobe
- 6 Knäuel Kimera
- 4 Knäuel Cheope in creme
insgesamt also 500 g.

Im Nachhinein war auch die Anleitung kein Problem - eine etwas bessere Modellzeichnung hätte ich gut gefunden für die Vorstellung, wie das Gestrickte aussehen soll, aber wenn man sich wörtlich an die Anleitung hält, ist das Jäckchen schnell und einfach gestrickt. Die I-Cord hat natürlich viel Zeit gefressen, aber das ar den Aufwand total wert.

Tragefotos gibt es demnächst - nun wandert das Jäckchen erst einmal zu
Maschenfein
Stricklust
Häkelline

Mittwoch, 25. Mai 2016

Luftige Schnäppchenbluse beim Kunsthandfest

Heute ist Mottotag beim MMM - es geht tierisch zur Sache!

Meine arderbe kann mit Animalprint so gar nicht dienen. Ich besitze weder Schlange, Leo, Zebra oder Tiger. Mit Katzenhaaren an der Hose kann ich höchstens dienen. Animal ist ein Trend, demich mich bisher total entzogen habe. Wo ich doch eine Musterphobie habe! (Außerdem habe ich eine Schwiegermutter, die QVC liebt und sehr gern die Polyestershirts mit Animalprint trägt - das ist nicht geeignet, mich an diese Muster zu wagen...) Auch Tiermotive sucht man bisher vergeblich bei mir, das ändert sich aber gerade. ich habe zwei Kleider mit Vogelmotiven zugeschnitten, und ein Nachthemdchen mit lustigen Kätzchen. 

So kann ich heute nichts zum Thema beitragen. Immerhin ist meine Bluse mit Blumen bedruckt, was ja wenigstens mit Natur zu tun hat, und das Originalmodell sah tatsächlich Leodruck vor.

Beim Nähwochenende auf Schoss Noer hatte ich mir ein PlanB-Projekt eingepackt, für den Fall, dass meine Trenchjacke entweder flugs fertig wird, oder ich sie vor Verzweiflung in die Ecke werfe.
Das PlanB-Projekt war eine leichte Bluse nach dem Schnitt "Leo Bohemian" aus Ottobre 5/2013 (nach wie vor meine Lieblingsottobre, für mich ist sie wirklich sehr ergiebig!)


Plan B trat nicht ein, der Trench wurde gerade so eben fertig und wird seither gern und oft getragen. Die Bluse lag aber seither zugeschnitten in der Stoffkiste, und wider Erwarten klopfte der Frühling auch hier im Norden an die Tür. Also musste das Blüschen schnell genäht werden.

Als Stoff habe ich einen ganz herrlich leichten Baumwollbatist beim Ausverkauf des örtlichen Stoffladens ergattert, weiß mit Blumenornamenten in Zartrosa, für sagenhafte 4 EUR den Meter. Mit 1.5 m bin ich für die Bluse gerade so ausgekommen, das Bindeband musste ich dabei stückeln, da es im schrägen Fadenlauf zugeschnitten gehört. Paspelband und Knöpfe hatte ich im Bestand - also war der Materialaufwand wirklich gering - und damit auch der Verlust, falls das Projekt scheitern sollte.

"Mal schnell" ist bei mir so gut wie nie was genäht. Auch dieser scheinbar einfache Schnitt birgt für mich einige Herausforderungen. Denn bei dieser Bluse werden die vorderen Schulterpartien, die Ärmel und auch die Rückseite unterhalb der Passe gekräuselt. Das ist mir bisher noch nie zufriedenstellend gelungen. Außerdem haben die Ärmel Schlitze und Manschetten mit Knopflöchern - wo ich doch unter Knopflochphobie leide...


Wie ihr an den Bildern sehen könnt, ist die Bluse trotz aller Befürchtungen gelungen. Beim Nähen auf Noer habe ich den Tipp bekommen, die Oberfadenspannung auf 0 zu stellen und mit der längsten Stichlänge zu nähen. Dann den Unterfaden stramm ziehen, und schon kräuselt sich der Stoff.
Klingt einfach, und ist es eigentlich auch. Allerdings sollte man drauf achten, den Unterfaden nicht rauszuziehen. Und nach dem Kräuseln sollte man auch die Oberfadenspannung neu einstellen, denn ein lockerer Oberfaden ergibt keine tollen Nähte... Wieder einmal näherte ich mich dem Projekt mit der Technik "Learning by Burning".

Nach ein paar Pannen erzielte ich schließlich brauchbare Ergebnisse. Ein Lob für den Ottobre-Schnitt: die Kräuselzeichen sind alle gut markiert (und ich habe sie aufs Schnittpapier UND den Stoff übertragen), alles passt logisch zusammen und die Anleitung ist sehr gut verständlich. Was ich allerdings schwierig fand war, die stark gekräuselten Ärmel einzusetzen. Hier brauchte ich drei Anläufe pro Ärmel, da das gekräuselte Stück über der Schulter sehr aufträgt. Einen Ärmel habe ich sogar nach der Anprobe noch mal rausgetrennt, neu gekräuselt und neu eingesetzt. Aber irgendwann war ich auch hier zufrieden. Wesentlich dicker als mein Batist sollte das Material bei dem Schnitt jedoch nicht sein, denke ich.

Das Bindeband am Halsausschnitt machte mir weitere Probleme. Laut Schnitteilübersicht sollte es ein 2cm breiter Streifen sein. So habe ich zugeschnitten. Beim Annähen (wie ein Schrägband erst von links, dann von rechts) jedoch fand ich das deutlich zu schmal. An Stellen, wo mehrere Stofflagen aufeinandertreffen, insbesondere vorn an der Paspel, reicht das schmale Stöffchen einfach nicht. Ich habe es dann teilweise mit der Hand angenäht.

Die Ärmelschlitze und die Manschetten ließen sich gut anfertigen, das Material war hier ein echter Pluspunkt, da überhaupt nicht glitschig, sondern schön griffig. Doch dann - die Knopflöcher...

Ich habe eine Maschine, die sechs verschiedene Knopflochprogramme hat. Dazu einen meiner Meinung nach total überdimensionierten Knopflochfuß, in den man den Knopf einspannt. Allerdings habe ich bis heute kein einziges vorzeigbares Knopfloch mit der Maschine zuwege gebracht. Ich habe nicht einmal die Logik der Programme verstanden, so dass ich nicht fähig bin, die Startmarkierung so zu setzen, dass der Anfang des Knopflochs dort sitzt, wo ich ihn haben will. Die blöde Maschine näht immer erst ein Stück nach vorn, bevor sie dann den Zickzack fürs Knopfloch nach hinten beginnt... und üblicherweise frisst sie sich auf dem Rückweg fest.
So auch diesmal.
Ihr könnt euch den Frust sicher vorstellen, wenn wirklich auf die letzten Meter ein Kleidungsstück ruiniert wird, weil die Maschine zickt. Anfragen in der entsprechenden Facebook-Gruppe brachten leider auch keine Erhellung. Also habe ich das Knopfloch mühsam und vorsichtig aufgetrennt (hier erwies sich der zarte Batist als echter Nachteil), meine alte Brother hervorgekramt und mit deren manuellem Knopflochprogramm endlich und ganz einfach ein vorzeigbares Knopfloch produziert:

Und beim anderen Ärmel gleich noch eines. Meine Lehre daraus: Was nützen schöne Knopflochprogramme, wenn sie das Kleidungsstück verderben. Lieber ein nicht so formschönes Knopfloch, das funktioniert (und auch nicht um Längen zu groß ist).

Am Himmelfahrstag wurde bei angenehmen 20°C das Blüschen dann zum Kunsthandfest ausgeführt.
 Sie sitzt angenehm locker, ist total luftig und sehr schön zu tragen.

Die Ärmel sehen aus, als seien sie entweder zu lang oder zu kurz geraten, aber wenn man sich das Modellfoto ganz oben ansieht, dann scheint das gewollt zu sein.

Auch hinten fällt sie dank des leichten Materials sehr schön, wie ich finde. Steifere Stoffe haben bei meinem Hohlkreuz leider die Eigenschaft, dass sie ganz unschön abstehen. Wenn möglich, löse ich das mittels eines Bindebands im Rücken oder einem eingezogenen Gummizug - das war hier aber gar nicht nötig. Und wer genau hinsieht, kann den Beginn des ersten Sonnenbrandes der Saison erkennen - ich brauche nämlich immer eine Weile, bis ich wieder begriffen habe, dass bei hellen Typen wie mir Sonnenschutz doch angesagt ist...

Ich bin jedenfalls ganz zufrieden mit dem neuen Mitglied in meinem Kleiderschrank. Eines jedoch ist mir aufgefallen- man sollte ein Hemdchen druntertragen, aber ich habe keines, dass zum Ausschnitt der Bluse passt. Da muss ich mir wohl eines nähen...

Hier noch mal die Eckdaten:
- Schnitt: Leo Bohemian aus Ottobre 5/2013
- Stoff: 1.5 m Baumwollbatist
- Änderungen: Keine. Beim nächsten Mal würde ich allerdings schmäleres Paspelband verwenden, den Ausschnittbeleg nicht verstärken, das Bindeband mindestens 4 cm breit zuschneiden oder Schrägband verwenden, und evtl die Ärmel 5cm kürzen.

Und jetzt wandert meine erste richtige Frühlingsproduktion 2016 zum virtuellen Laufsteg des MeMadeMittwoch - allein das Teamfoto der Gastgeberinnen fetzt schon total!