Wenn es so ganz heiß ist (was in diesem Sommer bisher eher selten der
Fall war), finde ich leichte Tops aus Webware optimal. Solche, die
locker sitzen und schön die Luft durchlassen, damit man in der Hitze
nicht unversehens der Kernschmelze erliegt.
Solch ein Top ist Frau Frida von Fritzi / Schnittreif.
Ein
ganz einfacher Schnitt: Vorderteil, Rückenteil. Vokuhila-Form.
Angeschnittene Ärmelchen ähnlich wie bei einem Kimono. Und super einfach
und schnell genäht. Ganz nach meinem Geschmack - und noch dazu für Webware gedacht. So etwas findet man selten, finde ich.
Diese Frau Frida habe ich vor etwa drei Jahren zu Beginn meiner
Nähkarriere genäht. Damals gab es den Schnitt als kostenlose Beigabe zur
Handmade Kultur und überzeugte mich sofort als anfängertaugliches
Modell. Zumal ich mich damals noch nicht an Jersey traute.
Der bunte Stoff ist eigentlich ganz untypisch für mich und entspricht auch gar nicht meinem Beuteschema: Braun kommt in meiner Garderobe nicht vor, und auch das wilde Paisleymuster ist mir eigentlich zu doll. Ich erinnere mich allerdings, dass ich mich spontan in das Online-Angebot bei Tante Änni verliebt hatte und den Stoff unbedingt haben musste. Ihr kennt das sicher, zu Beginn der Nähkarriere stürzt man sich auf jeden Stoff, der irgendwie ansprechend ist, ohne konkrete Idee. Dies führt zu den bekannten Stoffgebirgen, die schließlich mittels Stoffdiät abgebaut werden müssen...
Bei diesem Material hier handelt es sich um eine ganz leichte, weiche Baumwolle, genau richtig für den sommerlichen Schnitt.
Alle Säume habe ich, anders als in der Anleitung vorgesehen, mit orangem Schrägband eingefasst.Und das noch ohne den inzwischen von mir hoch geschätzten Schrägbandeinfasser.
Als die Temperaturen es endlich einmal hergaben, Frida auszuführen, habe ich die Gelegenheit gleich genutzt, und der beste Ehemann von allen musste beim Sonntagsspaziergang "Modefotos" anfertigen.
Hier spazieren wir um den Teich, der am Rande unseres Dorfs gelegen ist. 10 Minuten von der Haustür entfernt, und schon ist man in einem kleinen Paradies. Im 15. Jahrhundert betrieben hier Kapuzinermönche eine Karpfenzucht mit einem ganzen System an Teichen. Diese fielen irgendwann trocken, und dieser Teich (und einige weitere) wurden erst vor etwa 20 Jahren wieder geflutet. Heute tummeln sich hier sehr viele Vögel zur Brut - einmal habe ich sogar einen schwarzen Schwan gesehen.
Zusammenfassung des Tops:
Schnitt: Frau Frida, z. B. über Makerist
Stoff: 80 cm leichte Baumwolle, Baumwollschrägband (ca 3m)
Änderungen: von Taille zur Hüfte von M nach L verbreitert, Säume mit Schrägband eingefasst.
Noch mal? - auf jeden Fall. Eine zweite Frida gibt es schon, etwas dezenter und sogar mit passender Strickjacke drüber herbsttauglich zu stylen, gezeigt hier.
Wie ist das bei Euch? Habt ihr auch solche "Stoffunfälle" erlebt im Laufe der Zeit? Habt ihr noch Teile aus den Anfängen eurer Nähkarriere, die heute nicht mehr eurem Stil entsprechen, die ihr aber trotzdem noch in eure Garderobe integriert habt?
Diese Frage stelle ich heute zum MeMademittwoch.
Mittwoch, 28. Juni 2017
Sonntag, 25. Juni 2017
Drei Farben - Blau, Weiß....Rot!
Über die Anfänge und ersten Schwierigkeiten beim blauen Teil habe ich hier geschrieben.Nachdem die Formgebung schließlich gelöst war, machte ich mich an den mittleren, weißen Streifen.
Auch hier war es so, dass mein ursprünglicher Plan nicht ganz aufging. So ist das wohl, wenn man eine Idee im Kopf hat, aber noch keiner eine Anleitung dazu geschrieben hat 😊
Der Rand wellte sich ganz furchtbar, und nachdem ich bereits zwei Drittel der Länge in weiß gestrickt hatte, ribbelte ich alles noch einmal auf und änderte die Konstruktion.
Und schließlich passte es!

Das Rippenmuster habe ich beibehalten, aber im weißen Bereich kippt es nun zur Seite und zeigt genau den Effekt, den ich erzielen wollte.

Beim Maschenfein-Treffen in Berlin hatte ich den Schal mit, da er ein ideales Unterwegs-Projekt abgibt. Beim Treffen selbst habe ich daran keine Masche gestrickt, wohl aber auf der Hin- und Rückfahrt:
Ich bin ganz angetan von meinem Werk. Das Muster verhält sich genau, wie es soll, und Farben und Garne sind ohnehin Lieblinge von mir geworden.
Nun fehlt dem guten Stück noch eine I-Cord-Umrandung. Das wird wohl wiedere eine langwierige und langweilige Sache werden. Aber ich finde, dass so ein Abschluss das I-Tüpfelchens eines Tuchs ist.
Anfang August soll der Schal fertig sein, denn dann wird er verschenkt werden.
Eine Anleitung ist ebenfalls in Arbeit, die findet ihr dann auf Ravelry, sobald das Projekt abgeschlossen ist.
Mein Schal-Zwischenstand geht nun zu Maschenfein - auf den Nadeln im Juni.
Mittwoch, 21. Juni 2017
Wenn Stoffe sprechen...
In meinem Stoff-Vorrat befand sich ein sehr schön anzufassender Jersey (ich glaube, von Swafing) in rosa mit großen pinkfarbenen Punkten. Den hatte ich im letzten Jahr im Stoffladen auf der Puppe drapiert gesehen und mich sofort verliebt (Beuteschema und so...), woraufhin ich so lange an der Verkäuferin rumgequengelt habe, bis sie mir den Stoff (sogar noch mit Rabatt als Rest für sagenhafte 11 EUR) verkauft hat.
"Ich möchte eine Frau Liese als Sommerkleid werden", so hatte der Jersey zu mir gesprochen. Das würde ein famoses Gute-Laune-Kleid werden!
Wie es dann so ging, habe ich den Stoff letzten Sommer nicht mehr vernäht. Im Rahmen der Bestandsaufnahme für die Stoffdiät und des Spring Style Alongs in diesem Frühjahr erlosch meine Begeisterung vorübergehend. So knallig? So große Punkte? Trägt das Muster nicht auf? Sehe ich am Ende aus wie Miss Piggy?
Also wanderte der Stoff in die Kategorie Problemstoff, zusammen mit einem türkisen Jersey, zu dem mir auch keine rechte Idee einfallen wollte. (Dieser ist inzwischen ebenfalls vernäht, manchmal braucht es eine Weile, bis die Erleuchtung eintritt. Dazu aber ein andermal.)
Kurz vor Ostern, als wegen der Renovierung meiner Nähstube eine längere Nähpause drohte, brauchte ich ein schnelles Projekt, das sich vorher noch abschließen lassen würde. Der pinkfarbene Stoff wurde hervorgeholt, zugeschnitten und flugs vernäht.
Das Ergebnis, das ich vor der damals in voller Blüte stehen Forsythienhecke fotografiert habe, überzeugte mich dann doch.
Zwar knallig und nicht bürotauglich, aber lustig und für die Freizeit genau richtig.
Ich habe am ursprünglichen Shirtschnitt eine kleine Anpassung vorgenommen und den Ausschnitt etwas steiler zugeschnitten, das habe ich bei meinem anderen Liesenkleid (hier ) und beim zweiten Shirt (hier) auch schon so gemacht. Mir passt der Schnitt so besser, und die Ausschnittkanten verlaufen da, wo ich sie haben will. Den Rock habe ich wie üblich selbst dazu gebastelt. (Irgendwann muss ich den Rockteil auch Mal auf Papier festhalten...)
Es folgte ein langer kälter April, und erst Mitte Mai beim Nähtreff auf Schloss Noer wurde es warm genug, die Liese auch auszuführen. Die liebe Kape Anlumi hat die Fotos auf dem Schlossgelände angefertigt:
Mein Fazit:
- Stoffe, die mit konkreten Projekten zu einem sprechen sollte man ernst nehmen.
- Manchmal muss man ein bisschen mutig sein.
- Und sowieso braucht die Welt mehr Pink!
- Stoffe, die mit konkreten Projekten zu einem sprechen sollte man ernst nehmen.
- Manchmal muss man ein bisschen mutig sein.
- Und sowieso braucht die Welt mehr Pink!
Ich bin total glücklich mit dem Kleid, es ist bequem und macht gute Laune.
Damit geht Frau Liese zum MeMadeMittwoch, und ich schaue mal, was heute auf dem virtuellen Laufsteg geboten wird. Frau 700Sachen führt den heutigen Reigen als Gastbloggerin an mit einem sehr interessanten Beitrag über Schnittänderungen von normalen Schnitten zu Umstandskleidern - und weckt Fernweh mit tollen Fotos aus dem Süden.
Labels:
Kleid,
Nähen,
Schnittreif,
Sommer,
Stoffdiät
Sonntag, 18. Juni 2017
Ein (Maschen)Feines Treffen!
Am vergangenen Wochenende war es endlich soweit: Das erste offizielle Treffen von Maschenfein fand statt in Berlin.
Etwa 30 Strickverrückte Frauen, die einen der knappen Plätze ergattern konnten, trafen sich in der Dawanda Snuggery, um einen Tag lang zu stricken, zu plaudern und aus virtuellen Freundschaften echte Bekanntschaften zu schließen.
Schon Wochen vorher köchelte die Vorfreude in der Facebook-Gruppe immer höher, und die Erwartungen waren hoch. Und sie wurden noch übertroffen - aber der Reihe nach.
Für mich startete die Reise nach Berlin etwas holprig. Mutig und trendbewusst hatte ich ein Flixbus-Ticket gebucht, um zwei Minuten vor Abfahrt per SMS darüber informiert zu werden, dass mein Bus um 11 h nicht kommen würde, sondern ich auf 17 h umgebucht sei. Alle Mitreisenden teilten dieses Schicksal, und nachdem der erste Ärger verpufft war, taten sich verschiedene Fahrgemeinschaften zusammen. Ich hatte das Glück, eine Mitfahrgelegenheit im Auto zu ergattern, mit einer Frau, die zu einer Fortbildung nach Berlin musste, und einer älteren Dame, die ihren Sohn besuchen wollte. Das erste Mal in meinem Leben fuhr ich quasi per Anhalter, und es war eine ganz unterhaltsame Reise.
In Berlin angekommen, bestand die nächste Herausforderung darin, zum Hotel zu gelangen. Ich bin Expertin darin, bei U- und S-Bahnen in die falsche Richtung einzusteigen und den falschen Ausgang zu wählen. Aber schließlich konnte ich einchecken und machte mich gleich auf den Weg zu meinem ersten Ziel an diesem Tag: PAUL KNOPF in Kreuzberg.

Über den Laden hatte ich einmal gelesen, und ich muss sagen - er lohnt unbedingt einen Besuch! Drin durfte ich leider nicht fotografieren, aber auf dem rechten Bild gewinnt man einen Eindruck über das Geschäft: Es ist von oben bis unten vollgestopft mit Knöpfen in allen Farben, Formen und Materialien. Dazu zwei Bedientresen von Anno Tobak, dahinter zwei sehr unterhaltsame Verkäufer (darunter Paul himself), die sich intensiv mit den Wünschen ihrer Kundschaft auseinandersetzen und geduldig Knopfschachtel um Knopfschachtel aus den Regalen fördern. Das bedeutet Wartezeit - aber die ist so unterhaltsam, dass die Zeit wie im Fluge vergeht.
Im Idealfall geht man mit einem konkreten Projekt hin und lässt sich beraten - ich allerdings habe trotzdem hübsche Beute gemacht und blaue Perlmuttknöpfe und Holzknöpfe mitgenommen, und nebenbei einiges über Knöpfe gelernt.
Sehr zufrieden machte ich mich dann auf den Weg zum Potsdamer Platz, um wenigstens ein bisschen Touri-Atmosphäre zu atmen.
Das wunderbare Zeltdach ist einfach immer noch ein Hingucker, und es macht sehr viel Spaß, das Treiben darunter zu beobachten. Zeit war nur für ein - sehr teures, aber auch sehr leckeres - Eis, bevor es Zeit wurde, zum vereinbarten Treffpunkt für das Abendessen zu starten. Eine der Mitstrickerinnen war so nett, ein "Blind Date" zu organisieren bei einem Italiener mit sagenhaft großen Pizzen und einer ansprechenden Cocktailkarte. Und das Essen war ein voller Erfolg. Sechs Frauen trafen sich, und es gab keine Fremdelei, keine Zickerei, sondern von Anfang an munteres Geplauder und Geschnatter. Schnell wandten wir uns ab vom Stricken, sondern quasselten über dies und das, und die Zeit verging wie im Flug.
Das Highlight war aber natürlich der Samstag. Beim Auschecken an der Hotelrezeption wurden meine Freundin und ich von einer wildfremden Frau bestürmt: "Fahrt ihr auch zum Stricktreffen? - Ich hab dich an deinem Pullover erkannt!" (Ich trug meinen Hint of Summer) "Nehmt ihr mich mit?" Erst ein paar Minuten später fiel uns ein, uns einander vorzustellen, und schon war der erste Lacher da und das Eis gebrochen.
Um 10 Uhr quoll die Snuggery über von strickbegeisterten Maschenfeinfans.
Frau Maschenfein hatte jede Menge Garnproben von Ito und Lamana spendiert, und die Chance, die exotischen Garne probezustricken, wurde eifrigst genutzt. Auch die Farbmusterbücher von Lamana, Ito und Pascuali wurden fleißig studiert, ebenso wurde der große Haufen fertig gestrickter Modelle aus maschenfeinen Garnen befühlt, probiert und beliebäugelt.
Es gab sogar maschenfein-Kekse! Und wiederum nette Getränke 🍸🍷🍹

Die Snuggery selbst gefiel mir auch ausgesprochen gut. Neben feinen Kuchen, kleinen Snacks und leckeren Smoothies gibt es auch viele Nettigkeiten zum Bestaunen und auch kaufen. In so einer ansprechenden Atmosphäre war es ein Leichtes, mit den Stricknachbarinnen ins Gespräch zu kommen.

Wie auch bei den Nähtreffen, die ich bisher besucht habe, war es auch hier so, dass es keine Zickereien gab, sondern lauter offene, freundliche, nette Frauen, die die gleiche Leidenschaft teilen. Die virtuelle Welt gaukelt einem ja häufig eine Vertrautheit vor, die in der analogen Welt keinen Bestand hat. Hier allerdings ist es mir mit einigen passiert, dass man aufeinander zuging und sich gleich fühlte, als kenne man sich schon ewig. Ganz wunderbar. Dazu natürlich die Fachsimpelei über Strickprojekte, die Garne, und was man daraus machen kann - insgesamt ein ganz ganz gelungenes Event! (Hierbei auch noch einmal ein ganz dickes DANKE an die Organisatorinnen!)
Jede Teilnehmerin erhielt als Geschenk das Maschenfein-Notizbuch mit Platz für Notizen, eigene Musterideen und Etiketten zum Beschriften von Maschenproben. Klasse!
Zum Stricken bin ich kaum gekommen. Ich habe mich ausschließlich auf die Ito-Garne gestürzt, die ich hier einmal kurz vorstelle:
linke Probe - von oben nach unten:
- Ito Gima 8.5: schmalesBändchengarn mit schönem Glanz aus 100% Baumwolle, hier in der Farbe Dahlia. Mich hat die ziemlich steife Haptik des Garns sehr erstaunt. Durch die Wäsche soll es weicher werden. Bei den fertig gestrickten Modellen war ein Tuch aus diesem Garn dabei, dass zwar sehr leicht war, aber immer noch ein bisschen hart. Meine Probe habe ich einfädig mit Nadel 2.5 gestrickt, und das Maschenbild sagt mir, dass eine halbe Nadelstärke durchaus angesagt wäre. Für ein leichtes Sommertop kann ich mir das Garn sehr gut vorstellen, würde aber einen Beilauffaden empfehlen.
- Ito Serishin: ein sehr luxuriöses Seidengarn in Bändchen- /Baststruktur, hier in der Farbe Mustard. Der wunderschöne Glanz hat mich angefixt, ebenso wie die bändchenartige Struktur. Sehr angenehm zu stricken (einfädig mit Nadel 2.5) ergibt das Garn ein hübsches Maschenbild. Für ein sehr exklusives Top ein eindeutiger Favorit, leider ziemlich teuer. Bei der super Lauflänge von 290 m pro Kone braucht man aber wohl auch nicht sehr viel für ein Oberteil.
- Ito Kinu: ebenfalls ein Seidengarn, aber diesmal mit runder Fadenstruktur, hier in der Farbe Denim. Das Garn (Bouretteseide) wird aus Spinnresten hergestellt und zeigt daher kleinen Einsprengsel und Unregelmäßigkeiten. Überzeugt hat mich die sehr interessanten Haptik. Es fühlt sich schwer und "trocken" an, was mir unglaublich gut gefiel. Eindeutig ein Favorit - eventuell für diesen Pullover?
rechte Probe - von oben nach unten:
- Ito Gami Picot: Ein Schlaufengarn, hier in der Farbe Caramel, aus Baumwolle, Seide und Papier. Es hat eine ganz weiche Haptik durch den Baumwollanteil. Durch die Schlaufenstruktur musste ich aber erst einmal überlegen, wie man es am besten strickt. Strickt man den ganzen Faden, erhält man ein unregelmäßig strukturiertes Strickbild. Sticht man immer nur in die Schlaufen ein, ergibt sich ein puscheliges Gestrick, das mir persönlich besser gefällt. Beide Effekte kann man hier gut studieren, mein Foto gibt leider nicht viel her. Als Effektgarn für Akzente an Pullovern oder Jacken, oder auch als Einfassung für ein Tuch kann ich mir das Garn sehr gut vorstellen.
- Ito Urugami: ein Garn mit Papierkern, umsponnen mit Wolle. Meine Probe in der Farbe Sangria habe ich zweifädig mit Ito Shio gestrickt und bin sehr begeistert davon. Urugami hat einen ganz runden, glatten, festen Faden, und ist erhältlich in vielen tollen Farben. In das Knallgelb habe ich mich spontan verliebt, und mir fest vorgenommen, ein Sommertop daraus zu stricken.
- Ito Kinu Kasuri: wieder ein Seidengarn mit sehr unregelmäßiger Struktur, hier in der Farbe Brass. Sehr angenehm zu stricken, aber nicht gut zu ribbeln, da das Garn sehr leicht reißt. Die Struktur ergibt fast einen Bouclé-Effekt. Die Farben sind brilliant, allerdings ist zur Zeit keine Kombination erhältlich, die meinen Geschmack trifft. Mir persönlich ist der Farbverlauf auch zu unruhig. Gut vorstellen könnte ich mir das Garn als Akzent bei einem Pullover oder einer Jacke, um beispielsweise Kragen oder Tascheneingriffe abzusetzen.
Zum Andenken an den schönen Tag habe ich meine Materialproben in einen Bilderrahmen gesteckt, der in meinen Nähzimmer einen schönen Platz bekommen wird:
An meinem eigenen Projekt, meinem Schal, habe ich tatsächlich nur auf den Autofahrten gestrickt. Inzwischen habe ich die dritte Farbe - rot - abgeschlossen:
Der Schal bekommt noch eine I-Cord-Umrandung in weiß, und in Kürze gibt es zu diesem Projekt ein genaueres Update.
Erst einmal verlinke ich diesen Post zu Maschenfein - auf den Nadeln Juni.
Etwa 30 Strickverrückte Frauen, die einen der knappen Plätze ergattern konnten, trafen sich in der Dawanda Snuggery, um einen Tag lang zu stricken, zu plaudern und aus virtuellen Freundschaften echte Bekanntschaften zu schließen.
Schon Wochen vorher köchelte die Vorfreude in der Facebook-Gruppe immer höher, und die Erwartungen waren hoch. Und sie wurden noch übertroffen - aber der Reihe nach.
Für mich startete die Reise nach Berlin etwas holprig. Mutig und trendbewusst hatte ich ein Flixbus-Ticket gebucht, um zwei Minuten vor Abfahrt per SMS darüber informiert zu werden, dass mein Bus um 11 h nicht kommen würde, sondern ich auf 17 h umgebucht sei. Alle Mitreisenden teilten dieses Schicksal, und nachdem der erste Ärger verpufft war, taten sich verschiedene Fahrgemeinschaften zusammen. Ich hatte das Glück, eine Mitfahrgelegenheit im Auto zu ergattern, mit einer Frau, die zu einer Fortbildung nach Berlin musste, und einer älteren Dame, die ihren Sohn besuchen wollte. Das erste Mal in meinem Leben fuhr ich quasi per Anhalter, und es war eine ganz unterhaltsame Reise.
In Berlin angekommen, bestand die nächste Herausforderung darin, zum Hotel zu gelangen. Ich bin Expertin darin, bei U- und S-Bahnen in die falsche Richtung einzusteigen und den falschen Ausgang zu wählen. Aber schließlich konnte ich einchecken und machte mich gleich auf den Weg zu meinem ersten Ziel an diesem Tag: PAUL KNOPF in Kreuzberg.

Über den Laden hatte ich einmal gelesen, und ich muss sagen - er lohnt unbedingt einen Besuch! Drin durfte ich leider nicht fotografieren, aber auf dem rechten Bild gewinnt man einen Eindruck über das Geschäft: Es ist von oben bis unten vollgestopft mit Knöpfen in allen Farben, Formen und Materialien. Dazu zwei Bedientresen von Anno Tobak, dahinter zwei sehr unterhaltsame Verkäufer (darunter Paul himself), die sich intensiv mit den Wünschen ihrer Kundschaft auseinandersetzen und geduldig Knopfschachtel um Knopfschachtel aus den Regalen fördern. Das bedeutet Wartezeit - aber die ist so unterhaltsam, dass die Zeit wie im Fluge vergeht.
Im Idealfall geht man mit einem konkreten Projekt hin und lässt sich beraten - ich allerdings habe trotzdem hübsche Beute gemacht und blaue Perlmuttknöpfe und Holzknöpfe mitgenommen, und nebenbei einiges über Knöpfe gelernt.
Sehr zufrieden machte ich mich dann auf den Weg zum Potsdamer Platz, um wenigstens ein bisschen Touri-Atmosphäre zu atmen.
Das wunderbare Zeltdach ist einfach immer noch ein Hingucker, und es macht sehr viel Spaß, das Treiben darunter zu beobachten. Zeit war nur für ein - sehr teures, aber auch sehr leckeres - Eis, bevor es Zeit wurde, zum vereinbarten Treffpunkt für das Abendessen zu starten. Eine der Mitstrickerinnen war so nett, ein "Blind Date" zu organisieren bei einem Italiener mit sagenhaft großen Pizzen und einer ansprechenden Cocktailkarte. Und das Essen war ein voller Erfolg. Sechs Frauen trafen sich, und es gab keine Fremdelei, keine Zickerei, sondern von Anfang an munteres Geplauder und Geschnatter. Schnell wandten wir uns ab vom Stricken, sondern quasselten über dies und das, und die Zeit verging wie im Flug.
Das Highlight war aber natürlich der Samstag. Beim Auschecken an der Hotelrezeption wurden meine Freundin und ich von einer wildfremden Frau bestürmt: "Fahrt ihr auch zum Stricktreffen? - Ich hab dich an deinem Pullover erkannt!" (Ich trug meinen Hint of Summer) "Nehmt ihr mich mit?" Erst ein paar Minuten später fiel uns ein, uns einander vorzustellen, und schon war der erste Lacher da und das Eis gebrochen.
Um 10 Uhr quoll die Snuggery über von strickbegeisterten Maschenfeinfans.
Frau Maschenfein hatte jede Menge Garnproben von Ito und Lamana spendiert, und die Chance, die exotischen Garne probezustricken, wurde eifrigst genutzt. Auch die Farbmusterbücher von Lamana, Ito und Pascuali wurden fleißig studiert, ebenso wurde der große Haufen fertig gestrickter Modelle aus maschenfeinen Garnen befühlt, probiert und beliebäugelt.Es gab sogar maschenfein-Kekse! Und wiederum nette Getränke 🍸🍷🍹

Die Snuggery selbst gefiel mir auch ausgesprochen gut. Neben feinen Kuchen, kleinen Snacks und leckeren Smoothies gibt es auch viele Nettigkeiten zum Bestaunen und auch kaufen. In so einer ansprechenden Atmosphäre war es ein Leichtes, mit den Stricknachbarinnen ins Gespräch zu kommen.

Wie auch bei den Nähtreffen, die ich bisher besucht habe, war es auch hier so, dass es keine Zickereien gab, sondern lauter offene, freundliche, nette Frauen, die die gleiche Leidenschaft teilen. Die virtuelle Welt gaukelt einem ja häufig eine Vertrautheit vor, die in der analogen Welt keinen Bestand hat. Hier allerdings ist es mir mit einigen passiert, dass man aufeinander zuging und sich gleich fühlte, als kenne man sich schon ewig. Ganz wunderbar. Dazu natürlich die Fachsimpelei über Strickprojekte, die Garne, und was man daraus machen kann - insgesamt ein ganz ganz gelungenes Event! (Hierbei auch noch einmal ein ganz dickes DANKE an die Organisatorinnen!)
Jede Teilnehmerin erhielt als Geschenk das Maschenfein-Notizbuch mit Platz für Notizen, eigene Musterideen und Etiketten zum Beschriften von Maschenproben. Klasse!
Zum Stricken bin ich kaum gekommen. Ich habe mich ausschließlich auf die Ito-Garne gestürzt, die ich hier einmal kurz vorstelle:
linke Probe - von oben nach unten:
- Ito Gima 8.5: schmalesBändchengarn mit schönem Glanz aus 100% Baumwolle, hier in der Farbe Dahlia. Mich hat die ziemlich steife Haptik des Garns sehr erstaunt. Durch die Wäsche soll es weicher werden. Bei den fertig gestrickten Modellen war ein Tuch aus diesem Garn dabei, dass zwar sehr leicht war, aber immer noch ein bisschen hart. Meine Probe habe ich einfädig mit Nadel 2.5 gestrickt, und das Maschenbild sagt mir, dass eine halbe Nadelstärke durchaus angesagt wäre. Für ein leichtes Sommertop kann ich mir das Garn sehr gut vorstellen, würde aber einen Beilauffaden empfehlen.
- Ito Serishin: ein sehr luxuriöses Seidengarn in Bändchen- /Baststruktur, hier in der Farbe Mustard. Der wunderschöne Glanz hat mich angefixt, ebenso wie die bändchenartige Struktur. Sehr angenehm zu stricken (einfädig mit Nadel 2.5) ergibt das Garn ein hübsches Maschenbild. Für ein sehr exklusives Top ein eindeutiger Favorit, leider ziemlich teuer. Bei der super Lauflänge von 290 m pro Kone braucht man aber wohl auch nicht sehr viel für ein Oberteil.
- Ito Kinu: ebenfalls ein Seidengarn, aber diesmal mit runder Fadenstruktur, hier in der Farbe Denim. Das Garn (Bouretteseide) wird aus Spinnresten hergestellt und zeigt daher kleinen Einsprengsel und Unregelmäßigkeiten. Überzeugt hat mich die sehr interessanten Haptik. Es fühlt sich schwer und "trocken" an, was mir unglaublich gut gefiel. Eindeutig ein Favorit - eventuell für diesen Pullover?
rechte Probe - von oben nach unten:
- Ito Gami Picot: Ein Schlaufengarn, hier in der Farbe Caramel, aus Baumwolle, Seide und Papier. Es hat eine ganz weiche Haptik durch den Baumwollanteil. Durch die Schlaufenstruktur musste ich aber erst einmal überlegen, wie man es am besten strickt. Strickt man den ganzen Faden, erhält man ein unregelmäßig strukturiertes Strickbild. Sticht man immer nur in die Schlaufen ein, ergibt sich ein puscheliges Gestrick, das mir persönlich besser gefällt. Beide Effekte kann man hier gut studieren, mein Foto gibt leider nicht viel her. Als Effektgarn für Akzente an Pullovern oder Jacken, oder auch als Einfassung für ein Tuch kann ich mir das Garn sehr gut vorstellen.
- Ito Urugami: ein Garn mit Papierkern, umsponnen mit Wolle. Meine Probe in der Farbe Sangria habe ich zweifädig mit Ito Shio gestrickt und bin sehr begeistert davon. Urugami hat einen ganz runden, glatten, festen Faden, und ist erhältlich in vielen tollen Farben. In das Knallgelb habe ich mich spontan verliebt, und mir fest vorgenommen, ein Sommertop daraus zu stricken.
- Ito Kinu Kasuri: wieder ein Seidengarn mit sehr unregelmäßiger Struktur, hier in der Farbe Brass. Sehr angenehm zu stricken, aber nicht gut zu ribbeln, da das Garn sehr leicht reißt. Die Struktur ergibt fast einen Bouclé-Effekt. Die Farben sind brilliant, allerdings ist zur Zeit keine Kombination erhältlich, die meinen Geschmack trifft. Mir persönlich ist der Farbverlauf auch zu unruhig. Gut vorstellen könnte ich mir das Garn als Akzent bei einem Pullover oder einer Jacke, um beispielsweise Kragen oder Tascheneingriffe abzusetzen.
Zum Andenken an den schönen Tag habe ich meine Materialproben in einen Bilderrahmen gesteckt, der in meinen Nähzimmer einen schönen Platz bekommen wird:
An meinem eigenen Projekt, meinem Schal, habe ich tatsächlich nur auf den Autofahrten gestrickt. Inzwischen habe ich die dritte Farbe - rot - abgeschlossen:
Der Schal bekommt noch eine I-Cord-Umrandung in weiß, und in Kürze gibt es zu diesem Projekt ein genaueres Update.
Erst einmal verlinke ich diesen Post zu Maschenfein - auf den Nadeln Juni.
Labels:
Ito,
Maschenfein,
Stricktreffen,
Urlaub
Mittwoch, 14. Juni 2017
Engelchen und Teufelchen und die Zipfeljacke
Ich liebe Jäckchen. Ob gestrickt oder genäht, ich finde, Jacken kann man nie genug haben. Da ich gerne mal friere, mir aber auch genau so schnell mal zu warm ist, ist ein Jäckchen für mich da optimale Kleidungsstück. Schnell an- oder ausgezogen, ganz unkompliziert.
Seit neuestem liebe ich auch die Farbe Pink, um die ich meine Garderobe im Rahmen des Spring Style Alongs von Alex erweitert habe. Bei Stoff & Stil sprang mich ein wunderbar leichter Wollstrick direkt an und löste einen Gewissenskonflikt aus. Engelchen 😇und Teufelchen😈 lieferten sich folgenden Dialog:
😇- Es herrscht Stoffdiät!
😈- Aber ich war so tapfer und fleißig im Mai!
😇- Es wird kein Stoff gekauft!
😈- Aber die Farbe ist so toll!
😇- Sei standhaft, dann kannst du stolz auf dich sein!
😈- Ich werde ihn doch gleich vernähen, und zwar zu einer Zipfeljacke!
😇- Du brauchst aber keine Zipfeljacke.
😈- ICH WILL ABER DEN STOFF!
Damit schmiss sich das Teufelchen😈 schreiend und strampelnd auf den Boden, und produzierte dabei übelriechende Schwefelwolken. Engelchen 😇 rollte mit den Augen und verließ pikiert die Szenerie.
1,80 m des herrlichen Wollstricks wanderten in meinen Einkaufskorb.
Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt: Ich war zweimal standhaft, und habe den Stoff erst beim dritten Besuch in der Filiale mitgenommen. Nämlich, als ich den Ersatz für den verfärbten Courtelle-Jersey abholte, der zu meinem Ringelshirt wurde. Wahrscheinlich waren die Schwierigkeiten, die ich beim Nähen des Shirts hatten, der Karmaausgleich für den zusätzlichen Stoffkauf des Wollstricks?
Wie es häufig ist, schwebte mir beim Befingern des Gewebes gleich ein Schnitt vor. Der Stoff sprach zu mir: "Ich will eine Zipfeljacke werden, die von Schneidern-naehen.de!"

Der Schnitt ist kostenlos in S, M und L erhältlich, zusätzlich gibt es eine einfache, gut nachvollziehbare Anleitung. Ich habe Größe L genäht, finde die fertige Jacke aber ganz schön großzügig. M hätte es vermutlich auch getan.
Und tatsächlich folgte ich dem gefassten Vorsatz, den Stoff gleich zu vernähen. Freitags gekauft und samstags genäht. Streng genommen zählt er also gar nicht für die Stoffdiät, weil er niemals in meiner Stoffkiste eingezogen ist.
Der Schnitt ist schnell und einfach zu nähen, so etwas gefällt mir natürlich. Allerdings empfehle ich den Einsatz einer Overlock-Maschine, das geht einfach viel schneller und vor allem sauberer als mit der normalen Maschine. Da ich natürlich keine vier Konen in pink besitze, habe ich ein bisschen getrickst und verschiedene Pinktöne aus meinem Fundus aufgefädelt:
Die Kanten des Schalkragens habe ich allerdings mit dem Rollsaumfuß und der normalen Maschine genäht. Ich fürchtete
a) dass die Pinkvorräte nicht reichen würden für einen Overlock-Rollsaum, und
b) scheute ich mich vor dem Umbauen der Ovi für den Rollsaum. Mit meiner neuen Maschine habe ich das nämlich noch nie gemacht. (Das hat sich am vergangenen Wochenende geändert, und es war ganz einfach - aber das ist eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt.)
So habe ich aus meinem Nähfußsortiment auch den Rollsaumfuß ausprobiert, mit dem ich bisher auf Kriegsfuß stand, und tatsächlich ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Darauf bin ich echt stolz!
Hätte ich mich getraut, den Rollsaum mit der Ovi zu nähen, wäre das Jäckchen noch schneller fertig gewesen. Aber auch so reichte ein Nachmittag zum Schnitt zusammenkleben, Stoff zuschneiden und Nähen. Alles ganz problemlos.
Den Saum und Ärmelabschluss habe ich konventionell mit der Zwillingsnadel genäht, vorher aber die für meinen Geschmack doch sehr langen Zipfel (sie reichten mir bis an die Knie) um ca 10 cm gekürzt. Die hintere Länge habe ich beibehalten.
Und so gefällt sie mir nun sehr gut, meine Zipfeljacke:
Die Fotos hat die liebe Kape Anlumi aufgenommen, beim Nähwochenende in Noer bei Eckernförde. Hier trafen sich am Muttertagswochenende knapp 30 Nähverrückte. Wer mer darüber lesen möchte: hier geht es zu meinem Blogbeitrag dazu. Es war wieder ein ganz wunderbares Wochenende!
Bei dem grauen Wetter am Strand ist meine Jacke ein echter Farbklecks.
Das weiche Material (angeblich 100% Wolle, aber bei 40°C in der Maschine waschbar) macht noch zusätzliche gute Laune und trägt sich ganz wunderbar. Noch dazu ist die Jackemit vielen Stücken aus meinem Kleiderschrank kombinierbar. Mit langärmeligem Shirt darunter wird sie mich sicher auch im Herbst noch begleiten. Somit kann ich ganz stolz behaupten, dass ein neues Lieblingsstück meine Garderobe bereichert - und somit heute beim Memademittwoch vorgestellt werden kann.
Seit neuestem liebe ich auch die Farbe Pink, um die ich meine Garderobe im Rahmen des Spring Style Alongs von Alex erweitert habe. Bei Stoff & Stil sprang mich ein wunderbar leichter Wollstrick direkt an und löste einen Gewissenskonflikt aus. Engelchen 😇und Teufelchen😈 lieferten sich folgenden Dialog:
😇- Es herrscht Stoffdiät!
😈- Aber ich war so tapfer und fleißig im Mai!
😇- Es wird kein Stoff gekauft!
😈- Aber die Farbe ist so toll!
😇- Sei standhaft, dann kannst du stolz auf dich sein!
😈- Ich werde ihn doch gleich vernähen, und zwar zu einer Zipfeljacke!
😇- Du brauchst aber keine Zipfeljacke.
😈- ICH WILL ABER DEN STOFF!
Damit schmiss sich das Teufelchen😈 schreiend und strampelnd auf den Boden, und produzierte dabei übelriechende Schwefelwolken. Engelchen 😇 rollte mit den Augen und verließ pikiert die Szenerie.
1,80 m des herrlichen Wollstricks wanderten in meinen Einkaufskorb.
Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt: Ich war zweimal standhaft, und habe den Stoff erst beim dritten Besuch in der Filiale mitgenommen. Nämlich, als ich den Ersatz für den verfärbten Courtelle-Jersey abholte, der zu meinem Ringelshirt wurde. Wahrscheinlich waren die Schwierigkeiten, die ich beim Nähen des Shirts hatten, der Karmaausgleich für den zusätzlichen Stoffkauf des Wollstricks?
Wie es häufig ist, schwebte mir beim Befingern des Gewebes gleich ein Schnitt vor. Der Stoff sprach zu mir: "Ich will eine Zipfeljacke werden, die von Schneidern-naehen.de!"

Der Schnitt ist kostenlos in S, M und L erhältlich, zusätzlich gibt es eine einfache, gut nachvollziehbare Anleitung. Ich habe Größe L genäht, finde die fertige Jacke aber ganz schön großzügig. M hätte es vermutlich auch getan.
Und tatsächlich folgte ich dem gefassten Vorsatz, den Stoff gleich zu vernähen. Freitags gekauft und samstags genäht. Streng genommen zählt er also gar nicht für die Stoffdiät, weil er niemals in meiner Stoffkiste eingezogen ist.
Der Schnitt ist schnell und einfach zu nähen, so etwas gefällt mir natürlich. Allerdings empfehle ich den Einsatz einer Overlock-Maschine, das geht einfach viel schneller und vor allem sauberer als mit der normalen Maschine. Da ich natürlich keine vier Konen in pink besitze, habe ich ein bisschen getrickst und verschiedene Pinktöne aus meinem Fundus aufgefädelt:
Die Kanten des Schalkragens habe ich allerdings mit dem Rollsaumfuß und der normalen Maschine genäht. Ich fürchtete
a) dass die Pinkvorräte nicht reichen würden für einen Overlock-Rollsaum, und
b) scheute ich mich vor dem Umbauen der Ovi für den Rollsaum. Mit meiner neuen Maschine habe ich das nämlich noch nie gemacht. (Das hat sich am vergangenen Wochenende geändert, und es war ganz einfach - aber das ist eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt.)
So habe ich aus meinem Nähfußsortiment auch den Rollsaumfuß ausprobiert, mit dem ich bisher auf Kriegsfuß stand, und tatsächlich ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Darauf bin ich echt stolz!
Den Saum und Ärmelabschluss habe ich konventionell mit der Zwillingsnadel genäht, vorher aber die für meinen Geschmack doch sehr langen Zipfel (sie reichten mir bis an die Knie) um ca 10 cm gekürzt. Die hintere Länge habe ich beibehalten.
Und so gefällt sie mir nun sehr gut, meine Zipfeljacke:
Die Fotos hat die liebe Kape Anlumi aufgenommen, beim Nähwochenende in Noer bei Eckernförde. Hier trafen sich am Muttertagswochenende knapp 30 Nähverrückte. Wer mer darüber lesen möchte: hier geht es zu meinem Blogbeitrag dazu. Es war wieder ein ganz wunderbares Wochenende!
Das weiche Material (angeblich 100% Wolle, aber bei 40°C in der Maschine waschbar) macht noch zusätzliche gute Laune und trägt sich ganz wunderbar. Noch dazu ist die Jackemit vielen Stücken aus meinem Kleiderschrank kombinierbar. Mit langärmeligem Shirt darunter wird sie mich sicher auch im Herbst noch begleiten. Somit kann ich ganz stolz behaupten, dass ein neues Lieblingsstück meine Garderobe bereichert - und somit heute beim Memademittwoch vorgestellt werden kann.
Mittwoch, 31. Mai 2017
Die Ameisenkante
Beim Frühlingsjäckchen-Knit-Along habe ich mir einen wunderbaren Pullover, den Hint of Summer gestrickt. Wegen der VoKuHiLa-Saumkante, die vorn vielleicht doch ein bisschen kurz geraten ist, wollte er ein passendes Shirt zur Ergänzung.
Die Wahl fiel auf "Faded Stripes" aus Ottobre 2/15, ein einfaches Shirt mit überschnittenen Schultern und Schulterpassen. Vier Teile, Einfassungen für Halsloch und Ärmel, lässiger Look, das überzeugte mich als schnelles Projekt zwischendurch.
Trotz Stoffdiät habe ich den Jersey zum Projekt bei Stoff & Stil gekauft (und gleich vernäht, also kein Problem für die Diät). Er hat eine leicht gerippte Oberfläche und ist ansonsten einfach weiß.
Zuschnitt und Nähen waren kein Problem, an einem Nachmittag war das Shirt fertig und natürlich in der Länge auf den Hint of Summer angepasst.
Allerdings war es so nackig weiß doch ein bisschen langweilig, es fehlte der letzte Schliff.
Die Muse küsste mich beim Lesen von diesem Post von Frau Wollixundstoffix. Eine kleine Handstickerei gab die besondere Note bei ihrem Kleid - so was wollte ich für das Shirt auch!

Ein Faden des blauen Garns aus den Resten der Pulloverstrickerei, einfache kleine Vorstiche entlang der Schulterpassen und Halsausschnitte: So entstand die "Ameisenkante" (denn die Stiche sehen aus wie die umlaufende Auswahlkante bei Bildbearbeitungsprogramme, die der kleine Sohn einer Bekannten so lustig getauft hat).
Damit ist das Shirt nun richtig fertig:
Durch den weiten Schnitt und die überschnittenen Schultern ist das Shirt überaus bequem und lässig, und natürlich vielseitig kombinierbar.
Ich hatte es bei einem Ausflug nach Fürth an, wo wir ein Wochenende bei der Hochzeit meiner ältesten Freundin verbracht haben. Neben den Tragefotos will ich auch ein paar Eindrücke dieses schnuckeligen Städtchens mit euch teilen, wo ich so einige Überraschungen außerhalb der üblichen Sehenswürdigkeiten entdeckt habe:
In Fürth gibt es nämlich Drachen. Wieso der wohl vor einer Schule liegt? Ist das vielleicht Frau Mahlzahn? Oder Fuchur? (ich hatte einen Lehrer, dessen Vespa Fuchur hieß, die war auch vanillegelb)
Und jede Menge Buntstifte! Im nahen Nürnberg wurde nämlich der Bleistift "erfunden", und diese Zunft hat dort Tradition (Staedtler und Faber Castell kommen nicht von ungefähr aus dieser Gegend).
Ich bekam gleich irre Lust zu zeichnen, am liebsten hätte ich den Staedtler-Laden leergekauft!
Und es gibt einen leider verwaisten, aber immer noch echt kultigen ehemaligen Autosalon mit angeschlossener Tankstelle und Werkstatt. Beim Anblick dieses Gebäudeensembles wuchsen mir förmlich Petticoat und Pfennigabsätze, so stark fühlte ich mich in die 50er Jahre zurückversetzt. Ich konnte mir ganz genau die blank polierten Autos im Schauraum vorstellen, bestimmt stand da ein rotes Cabrio im Schaufenster! Schade, dass es so etwas heutzutage nicht mehr gibt.
Hinter dieser wunderschönen Tür verbirgt sich ein Innenhof, in dem noch eine Gleisanlage zu erkennen ist. Wenn man sich hineinwagt, sieht man Werkstätten und einen großen Schlot; das Gelände beherbergte früher eine Kürschnerei. Hier ist auf einem Schild vermerkt, dass der Schlot vor vielen Jahren saniert wurde, um einem Storchenpaar Heimat zu bieten, das sich seither jedes Jahr dort einfindet. Leider waren Storchens an diesem Samstag Vormittag nicht zu Hause, aber die Geschichte mag ich wirklich gern!
Mein Shirt mag ich auch gern, hier für euch noch mal eine Detailaufnahme mit Ameisenkante:
Die Wahl fiel auf "Faded Stripes" aus Ottobre 2/15, ein einfaches Shirt mit überschnittenen Schultern und Schulterpassen. Vier Teile, Einfassungen für Halsloch und Ärmel, lässiger Look, das überzeugte mich als schnelles Projekt zwischendurch.
Trotz Stoffdiät habe ich den Jersey zum Projekt bei Stoff & Stil gekauft (und gleich vernäht, also kein Problem für die Diät). Er hat eine leicht gerippte Oberfläche und ist ansonsten einfach weiß.
Zuschnitt und Nähen waren kein Problem, an einem Nachmittag war das Shirt fertig und natürlich in der Länge auf den Hint of Summer angepasst.
Allerdings war es so nackig weiß doch ein bisschen langweilig, es fehlte der letzte Schliff.
Die Muse küsste mich beim Lesen von diesem Post von Frau Wollixundstoffix. Eine kleine Handstickerei gab die besondere Note bei ihrem Kleid - so was wollte ich für das Shirt auch!

Ein Faden des blauen Garns aus den Resten der Pulloverstrickerei, einfache kleine Vorstiche entlang der Schulterpassen und Halsausschnitte: So entstand die "Ameisenkante" (denn die Stiche sehen aus wie die umlaufende Auswahlkante bei Bildbearbeitungsprogramme, die der kleine Sohn einer Bekannten so lustig getauft hat).
Damit ist das Shirt nun richtig fertig:
Durch den weiten Schnitt und die überschnittenen Schultern ist das Shirt überaus bequem und lässig, und natürlich vielseitig kombinierbar.
Ich hatte es bei einem Ausflug nach Fürth an, wo wir ein Wochenende bei der Hochzeit meiner ältesten Freundin verbracht haben. Neben den Tragefotos will ich auch ein paar Eindrücke dieses schnuckeligen Städtchens mit euch teilen, wo ich so einige Überraschungen außerhalb der üblichen Sehenswürdigkeiten entdeckt habe:
In Fürth gibt es nämlich Drachen. Wieso der wohl vor einer Schule liegt? Ist das vielleicht Frau Mahlzahn? Oder Fuchur? (ich hatte einen Lehrer, dessen Vespa Fuchur hieß, die war auch vanillegelb)
Und jede Menge Buntstifte! Im nahen Nürnberg wurde nämlich der Bleistift "erfunden", und diese Zunft hat dort Tradition (Staedtler und Faber Castell kommen nicht von ungefähr aus dieser Gegend).
Ich bekam gleich irre Lust zu zeichnen, am liebsten hätte ich den Staedtler-Laden leergekauft!
Und es gibt einen leider verwaisten, aber immer noch echt kultigen ehemaligen Autosalon mit angeschlossener Tankstelle und Werkstatt. Beim Anblick dieses Gebäudeensembles wuchsen mir förmlich Petticoat und Pfennigabsätze, so stark fühlte ich mich in die 50er Jahre zurückversetzt. Ich konnte mir ganz genau die blank polierten Autos im Schauraum vorstellen, bestimmt stand da ein rotes Cabrio im Schaufenster! Schade, dass es so etwas heutzutage nicht mehr gibt.Hinter dieser wunderschönen Tür verbirgt sich ein Innenhof, in dem noch eine Gleisanlage zu erkennen ist. Wenn man sich hineinwagt, sieht man Werkstätten und einen großen Schlot; das Gelände beherbergte früher eine Kürschnerei. Hier ist auf einem Schild vermerkt, dass der Schlot vor vielen Jahren saniert wurde, um einem Storchenpaar Heimat zu bieten, das sich seither jedes Jahr dort einfindet. Leider waren Storchens an diesem Samstag Vormittag nicht zu Hause, aber die Geschichte mag ich wirklich gern!
Mein Shirt mag ich auch gern, hier für euch noch mal eine Detailaufnahme mit Ameisenkante:
Was mich an dem Projekt ganz besonders fasziniert hat, ist die Tatsache, dass sich mit geringem Aufwand und ohne große Schwierigkeiten ein ganz toller Effekt erzielen ließ, der das Shirt wirklich aufwertet. Ich habe mir ganz fest vorgenommen, so etwas wieder einmal auszuprobieren.
Mit meinem Shirt geht es nun zum Memademittwoch. Sybille zeigt uns heute die Bielefelder Kunsthalle in einem Namedpatterns-Schnitt.
Und endlich einmal passt ein Kleidungsstück auch zu den 12 Colours of handmade fashion - die Farbe für den Mai ist nämlich weiß.
Labels:
MeMadeMittwoch,
Ottobre,
Shirt,
Spring Style Along 2017,
Stoff&Stil
Dienstag, 30. Mai 2017
Am Ende wird alles gut... Ringelshirt
Da kann ich doch mithalten! Ringel gehören seit zwei Jahren zu meinem festen Beuteschema. Bestimmt fünf Ringelshirts habe ich mir inzwischen genäht, eines davon ist noch ganz frisch. Aber der Reihe nach!
Ihr kennt das sicher: Springstoffe! Die euch im Regal anspringen, sich an euch klammern und erst nach dem Bezahlvorgang Ruhe geben? Dieses Erlebnis hatte ich mit diesem wunderschönen Courtelle-Jersey, den ich im März bei einem Besuch in der örtlichen Stoff & Stil-Filiale entdeckt habe.
Keine Frage, der musste mit, ich hatte keine Chance, und mir schwebte auch schon ein wunderbares Projekt vor: "Poetic Lace" aus Ottobre 5/16, gekürzt zum Shirt.
Die Kragenlösung fand ich sehr interessant, so etwas wollte ich unbedingt nähen, und zwar beim Nähtreffen auf Schloss Noer.
Doch es schien, als stünde das Projekt unter keinem guten Stern. Den frisch erbeuteten Stoff habe ich sofort gewaschen, und erlebte eine böse Überraschung, als ich ihn aus der Maschine geholt habe:
Bis zum Nähtreff war nicht mehr allzuviel Zeit, und ich arbeitete schon an einem Ersatzprojekt, während ich den verfärbten Stoff reklamierte. Stoff & Stil war sehr flink und entgegenkommend, man schnitt mir einen neuen Meter zu und hinterlegte ihn für mich in der Filiale, wo ich ihn ganz knapp vorm Nähtreffen abholte. Diesmal überstand der Jersey die Wäsche problemlos, wurde zugeschnitten und eingepackt.
Nachdem mein erstes Projekt, das Kirschblütenkleid, fertiggestellt war, sollte das Shirt ein entspanntes Zwischendurchprojekt werden. Doch das schlechte Karma setzte sich fort. Ein Ausrutscher mit der Ovi, und ein hässliches großes Loch klaffte in der linken Schulter:

Und natürlich war kaum noch Stoff übrig, um noch einmal ein Vorderteil zuschneiden zu können. Was für ein Jammer!
Was tun? Gut, dass ich mit meinen Mitnäherinnen beratschlagen konnte. Und tatsächlich fand sich eine Lösung.
Die beiden "Flügel", die vom Rückenteil auf das Vorderteil überlappen, habe ich neu zugeschnitten und entlang eines Ringels neu zusammengenäht.
Alles ordentlich aufgebügelt - sieht kein Mensch. Und wenn, sieht es "gewollt" aus.
Was für ein Glück!
Alle weiteren Schritte habe ich mit äußerster Vorsicht und ausnahmsweise nicht mit der Ovi genäht, sondern mit der normalen Nähmaschine. Sicher ist sicher.
Und so war am Ende des 3. Tages auf Schloss Noer tatsächlich meine kleine Dramaqueen fertig:

Beim Kunsthandfest im Nachbardorf am Himmelfahrtswochenende habe ich das Shirt ausgeführt, und möchte wie immer ein paar Einrücke mit euch teilen:
Vier ortsansässige Künstler öffnen jedes Jahr ihre Ateliers, laden weitere Künstler und Kunsthandwerker ein, und das ganze Dorf ist das Wochenende über im Ausnahmezustand. Natürlich kann man nicht nur gucken, sondern darf auch kaufen und sich vor allem mit den Künstlern austauschen. Die Auswahl der Aussteller ist jedes Jahr ein bisschen anders, und es gibt auch ein Rahmenprogramm mit Musik und Gesang. Hier ist der Kaffeegarten, der sich bis zur Trave erstreckt. Ist es nicht herrlich dort? Die Segelschiffe aus der Werkstatt von Udo Hoffer sind aus Keramik und haben hauchdünne Segel aus Porzellan. Wunderschön!
Der Kaffeegarten endet direkt an der Trave, wo ein paar Vatertagsausflügler sich beim Stehpaddeln vergnügten.

Der Kaffeegarten gehört zu dem Gelände einer Antikmöbelrestauration von Uwe Kolschegg. Neben wunderbaren (leider unbezahlbaren) restaurierten Antiquitäten gibt es dort auch jede Menge Kleinkram zu bestaunen, von der alten Badewanne bis hin zum Nähkästchen aus Omas Zeiten (meine hatte genau so eines):
Den Handtuchhalter fand ich besonders reizend, denn hier wird für Ordnung gesorgt:
Gläsertuch - Tellertuch - Wischtuch - Handtuch. Alles klar!
Ein kleiner Blick in den privaten Garten - bei "Künstlers" geht es auch privat kunstvoll zu.
Besonders hat mir mir auch diese kleine Wildfamilie aus der Schmiede von Isabel und Kurt Lange.
Und diese von Hand geprägten (punzierten) Sporenriemen - sind sie nicht eine Augenweide? Ich habe zugesehen, wie die Prägung "eingemeißelt" wurden, eine Wahnsinnsarbeit, und wunderschön!
Es war wieder ein gelungener Ausflug, und mit meinem Shirt war ich dem Wetter entsprechend luftig gekleidet (und doch ausreichend vor der Sonne geschützt).
Ob ich es allerdings noch einmal nähen würde, kann ich nicht sicher sagen. Falls ja, dann einfarbig, und ohne Beleg, sondern wie in der Anleitung vorgesehen, mit Einfassstreifen an den Halsausschnittkanten. Und ich werde mir merken, dass ich ganz ganz exakt sein muss beim Anbringen der Markierungen!
Wie sich die anderen Damen so ringeln, werde ich mir jetzt einmal in Ruhe ansehen. Bestimmt springt mich wieder eine Idee an... aber das ist ja das Tolle am Memademittwoch, der stets sprudelnden Quelle an Inspirationen! An dieser Stelle einmal noch ein ganz herzliches Dankeschön an das Moderatorenteam, das neue Konzept mit Monatsthemen und Gastbloggern finde ich sehr sehr schön, und es ist mir jeden Mittwoch eine Freude, hier zu sein!
Abonnieren
Posts (Atom)






































