Mittwoch, 10. Mai 2017

Spring Style Along 2017: das Drumherum

Beim vorletzten Termin unseres Spring Style Alongs geht es heute um Accessoires.

Schuhe, Taschen, Tücher, Schmuck, Schminke – alles, was eine Kombination von Kleidungsstücken zu einem Outfit macht.

Eigentlich wollte ich diesen Termin schwänzen. Das Thema Accessoires ist nicht so meines.

Aber kürzlich gab es von Elle Puls einen Blogpost zum Thema stilsicher nähen, und in der zugehörigen Facebook-Gruppe entstand ein spannender Austausch zum Thema Schuhe, Stil und Accessoires. Daher will ich gern ein bisschen in mich gehen und meine Gedanken mit euch teilen.

Welcher Feenglitter fehlt Euch noch? Beziehungsweise was ist Eure secret sauce, um einer schnöden Kombination den Wow-Effekt zu geben?

Less is more. Mit Glitzer und BlingBling kann ich nicht so viel anfangen. Ich bin schon mutig, wenn ich mich aus meinem blau-rot-weiß-schwarz-grauen Farbschema herauswage. Also zeige ich euch, was ich an „erprobten“, gern getragenen Accessoires so angehäuft habe:
 
Gürtel:
Gürtel mag ich, und brauche sie in der Regel auch, weil Hosen bei mir im Rücken gern mal abstehen. Seit dem letzten Spring Style along habe ich mir beim Gürtelmacher meines Vertrauens einige Gürtel machen lassen:
Er hat jede Woche einen Stand auf dem Lübecker Wochenmarkt, man sucht sich Farbe und Material des Gürtels und die gewünschte Schnalle aus, die Länge wird passend ausgemessen und man hat ratzfatz einen maßgeschneiderten, individuellen und SEHR haltbaren Gürtel.Inzwischen baut er auf Wunsch Druckknöpfe ein, so dass man die Schnallen untereinander austauschen kann. Tolle Sache!


Je nach Kleidungsstück brauche ich aber auch schmale Gürtel, da habe ich diese hier: 
Taschen:
Ich habe zwar mehrere Taschen, aber ich habe keine Lust ständig umzuräumen. Also trage ich meine bewährte GG&L Tasche in Allzweckgrau im Alltag mit mir rum. Zum Ausgehen habe ich eine kleinere Version in dunkelblau, und für die Freizeit meine geliebte Piratentasche, die leider fast schon auseinanderfällt.
Schon lange wollte ich so ein echtes „Tussi-Portemonnaie“ – und kürzlich hab ich eins mit niedlichen Miezen drauf gekauft, das mir in den Tiefen meiner Handtaschen nicht mehr verloren geht. Ich liebe es! Ich habe mir übrigens gerade auch eine Handtasche mit Katzenmotiv bestellt...

Tücher:
Gehen immer. Ich neige ein bisschen zum Frösteln, wenn es mir kalt wird im Nacken, und so habe ich ganz häufig ein Tuch dabei. Da ich Schmuck nicht so viel trage (und wenn man im Nacken friert und deshalb ein Tuch trägt, man schöne Halsketten ohnehin nicht sieht), sind Tücher mein Stilmittel der Wahl. Dies hier sind meine liebsten:
Wie aber Alex schon bemerkt: There must be 50 ways to knot your scarf. Ich kenne genau zwei und wäre durchaus an einem Workshop interessiert, um weitere Möglichkeiten zum Binden kennen zu lernen.

Schmuck:
Ich trage wenig Schmuck. Meinen Ehering und zwei andere, die mir eine Goldschmiedin mal gemacht hat, nehme ich so gut wie nie ab. Ich trage fast immer die gleichen Ohrringe im Wechsel. 

Einige wenige Ketten trage ich regelmäßig, und die vorwiegend im Winter (wenn ich nicht gerade ein Tuch trage). Dabei mag ich es gern schlicht, aber doch ein bisschen ausgefallen. Sozusagen raffiniert auf den zweiten Blick. 

Ihr merkt, meine Liebe zu Lübeck spiegelt sich auch bei meinen Accesoires wieder...😊
Der braune Achat unten rechts ist ein Erbstück von meiner Oma. Sie hat es von meinem Opa bei einem Ausflug nach Idar-Oberstein bekommen, wo immer noch die Edelsteinschleifer ausgebildet werden. Nur die Originalkette ist verloren gegangen, so trage ich den Stein am Lederband. 

Im Sommer, wenn es richtig warm ist, mag ich nichts Zusätzliches um den Hals haben. Armbänder scheiden ebenfalls aus, die stören mich bei der Arbeit mit der Tastatur. 
Hierbei finde ich es lustig, wie frau sich über die Zeit verändert. Mit 12,13 konnten mir Ohrringe nicht groß und bunt genug sein, ich hatte zig Ketten um den Hals, jede Menge Plastikarmreifen und Lederbänder an den Handgelenken. Und die obligatorischen neonfarbenen Schnürsenkel in den Turnschuhen. Ein Graus, so rückblickend betrachtet!

Was  ich euch noch zeigen will, sind meine Armbanduhren: 
Die schwarze ist von Ralf Cremer, aber viel interessanter sind die anderen drei von Stamps: Hier kann man die Zifferblätter untereinander austauschen und hat so eine Menge an Kombinationsmöglichkeiten, je nach Kleidung. Wie ihr seht, sind auch Katzen ein gern gesehenes Motiv bei meinen Accessoires 😸

Schminke:
Benutze ich eher zurückhaltend. Ich muss zwar erst um 8.30 morgens im Büro sein und habe eine sehr kurze Anfahrt, dennoch bin ich morgens einfach ein Grobmotoriker und froh, wenn ich meine Haare vernünftig hinbekomme. Feine Pinselei übersteigt meine motorischen Fähigkeiten am Morgen und klaut mir Zeit, die ich lieber mit Kaffeetasse und Buch auf dem Sofa verbringe. Dennoch achte ich darauf, präsentabel auszusehen. Seit Anfang des Jahres bin ich Teamleiterin eines Miniteams und habe daher häufiger offiziellereTermine. Für diese will ich „gerüstet“ erscheinen, sprich, ich trage dann offiziellere Kleidung und mehr Schminke als an normalen Tagen ohne Termine. Dabei ist mein Fundus an Produkten, die ich wirklich regelmäßig benutze, eher übersichtlich:Mascara (je nach Kleidung farbig oder schwarz) und Lippenstift müssen – Lidschatten und Kajal können. Ein bisschen Puder drüber: Das wars auch schon. Ein Spritzer Parfüm, und los geht’s.

Schuhe:
Schwieriges Thema. Ich kann einfach nicht auf hohen Absätzen laufen. Bei max. 5cm ist bei mir Schluss. In der Regel bin ich mit flachen Schuhen unterwegs. Das schränkt mich aber nicht bei der Wahl meiner Kleidung ein, nach dem Motto: ein Kleid geht nur mit Absätzen. Kleid geht durchaus mit flachen Schuhen. Auch mit Chucks. Auch ein Anzug geht mit Chucks oder eleganteren Turnschuhen.
Interessant in der oben erwähnten Diskussion bei Elle Puls zum Thema Schuhe fand ich, dass sehr viele Frauen ähnlich ticken wie ich. Die Mehrheit ist flach und eher sportlich unterwegs, auch im Job. Das hat mich sehr gefreut (und deckt sich auch mit den Beobachtungen aus meinem Alltag). 
Meine neuen Gummistiefel (von hier) muss ich euch unbedingt noch zeigen:

Sind die nicht klasse? Und erstaunlich bequem, weil aus ganz weichem Gummi. Wegen des usseligen Wetters in diesem Frühling hatte ich sie schon häufig nicht nur im Garten, sondern auch bei Spazierengehen an, und sie haben sich bestens bewährt.

Welches sind Eure Strategien, Kleidung und schmückendes Beiwerk zusammen zu kriegen?
Hier zählt für mich erst einmal: Ich muss mich wohlfühlen. Und es muss, das haben Alex und einige andere auch schon festgestellt, zum Tagesgefühl und dem Terminkalender passen. Ich überlege mir abends oft, was ich am nächsten Tag tragen könnte. Es kommt aber durchaus vor, dass ich mich am Morgen umentscheide. Das Drumrum - Gürtel, ggf. Schmuck, Tuch, Schuhe - stimme ich farblich passend ab oder lasse weg. Üblicherweise setze ich auf bewährte Kombinationen und trage das gleiche Shirt mit dem gleichen Tuch oder der gleichen Kette. Hier könnte ich sicher mehr experimentieren und die einzelnen Teile (auch Kleidungsstücke, nicht nur Accessoires) vielfältiger untereinander kombinieren. 

Wie macht ihr das? 

Kann ich damit punkten?

Ich liebe Punkte. Ich finde, sie machen einfach gute Laune!
Seitdem ich selber nähe, haben sich in meinen Kleiderschrank schon viele Kleidungsstücke mit Punkten angesammelt, die ich allesamt sehr gerne trage.
Als ich bei Stoff & Stil auf diesen wunderbar bunten Baumwollstoff stieß, war es sofort um mich geschehen: so schön bunt - ganz klar, ein Meter musste mit.
In der aktuellen Handmade Kultur ist ein wunderbarer Blusenschnitt, den ich hier ganz wunderbar vernäht gesehen habe. Die ursprünglichen Pläne für diesen Stoff (eine Schluppenbluse) wurden sofort über den Haufen geworfen, und super motiviert ging ich ans Nähen.
Ganz akkurat habe ich die Kellerfalten im Vorder- und Rückenteil genäht und war vom Ergebnis sehr angetan. Macht sich super, der Punktestoff!
Mit ein bisschen Näherfahrung näht sich das Blüschen eigentlich supereinfach. Für Unerfahrenere, oder für die kniffligen Stellen wie die Knopflochschlaufe, gibt es aber auch ein sehr gut gemachtes Anleitungsvideo.
Den Stütznaht für den Beleg und auch die anschließende äußere Steppnaht habe ich wieder mit meinem neuen Freund, dem Kantensteppfuß, genäht. Dieses kleine Füßchen gebe ich nicht mehr her, es hat mir bei fast allen meinen letzten Projekten wirklich wertvolle Dienste geleistet!
Die Ärmel werden wieder gekräuselt. Mit zwei Kräuselnähten klappt es besser mit dem Einhalten - da habe ich mal wieder was gelernt!
Da ich ja nur einen Meter Stoff gekauft hatte, reichte es nur für die Kurzarmvariante. Die Ärmellänge des Schnitts habe ich etwas verlängert, ganz so kurze Ärmelchen mag ich an mir nicht leiden.

Soweit, so gut. Die Bluse war fast fertig, es fehlte noch der Saum. Hier passierte die Katastrophe. Ganz ordentlich habe ich den Saum mit dem Saumlineal markiert und umgebügelt - und dann fein nicht im Bügelfalz geschnitten, wie geplant, sondern entlang der umgebügelten Stoffkante. Prompt war die Bluse 4 cm kürzer als vorgesehen. (Anmerkung - die Länge des Schnitts ist sehr lang. Eigentlich wird am Saum ein Gummizug eingezogen für einen Balloneffekt, der sicher einiges an Länge fristt - ich finde die vorgesehene Länge für normal Große jedoch immer noch großzügig.) Ich hatte für mich allerdings von vornherein einen normal gesteppten Saum vorgesehen und daher die Mehrlänge beim Anpassen der Saumlänge schon mit berücksichtigt - sprich: abgeschnitten.

Darüber hinaus ergab sich bei der Anprobe leider das, was ich vorher insgeheim schon befürchtet hatte: Die Kellerfalten im Rücken führten in Verbindung mit dem recht steifen Stoff dazu, dass die Bluse im Rücken derbe abstand. Untragbar! Leider habe ich davon kein vernünftiges Foto hinbekommen; an Püppi sieht die Passform ohnehin noch mal anders aus als an mir.

Es folgten Stunden der Anpassung à la Sonnenburg: Stecken, anprobieren, stecken, anprobieren und passend machen, was nicht passen will. Im Endeffekt habe ich die äußeren beiden hinteren Kellerfalten in laaaange Abnäher umgewandelt und noch Weite vom Rückenteil an der Seite abgenommen. Nicht so ganz schön, und eigentlich auch anders gedacht, aber im Endeffekt immerhin tragbar.

Die Fehlende Länge habe ich ein bisschen kaschiert und statt eines umgebügelten Saums die neu festgelegte Saumkante (im von mir momentan so geliebten VoKuHiLa-Stil) mit blauem Satinband eingefasst. So konnte ich immerhin noch knapp 2cm rausholen.

 Mit dem Schrägbandeinfasser, ein weiterer inzwischen unverzichtbarer Helfer, ging das Ratzfatz, und damit das Ganze etwas mehr "gewollt" aussieht, wurden auch die Ärmelsäume entsprechend eingefasst.

So ist Madame Bluse doch noch tragbar geworden - et voilá:

Tragefotos gibt es natürlich auch. Aus meinem schönen Garten, der gerade noch so herrlich blüht:
Für kühlere Tage, wie sie momentan ja noch an der Tagesordnung sind, habe ich eine hübsche Jacke in dem gleichen Türkiston, der auch im Stoff vorhanden ist.

 Aber natürlich soll das Blüschen auch ohne Jäckchen getragen werden:
Ich finde, das Blüschen ist ganz knapp nicht zu kurz, sofern es mit Hosen getragen wird, die nicht hüftig sitzen (solche habe ich zum Glück nicht). Die Zentimeter, die ich zu viel abgeschnitten habe, hätten aber doch in der Länge gutgetan.
Von hinten gefällt mir das Blusenshirt ganz gut. Merke: solange es noch zu kühl ist, ohne Hemdchen zu gehen, muss eines drunter, das hinten etwas weiter ausgeschnitten ist! Sonst blitzt es aus dem Rückenausschnit hervor.

Den Schnitt würde ich gern noch einmal nähen. In meinem Fundus ist noch ein ganz leichter Baumwollchambray in blau mit feinem Muster.Eigentlich habe ich ihn für eine Hose vorgesehen, dafür ist der Stoff aber vielleicht zu dünn?
Zum Blusenschnitt könnte er gut passen. Und ich hätte genug für die Variante mit den langen Bischofsärmeln - die finde ich einfach klasse.
Also mein Fazit:
Der Schnitt ist schön, und mit der richtigen Stoffwahl kann man damit eine wunderbare Bluse nähen. Die Anleitung im Heft ist kurz und knapp, aber bei Schwierigkeiten hilft das Anleitungsvideo sehr gut weiter.
Was ich mir allerding wünschen würde, wäre eine konkretere Bezeichnung bei der Wahl des Stoffs, gerade unerfahrenere Näherinnen könnten hier einen Fehlgriff landen.

Mein Blüschen wandert zum MeMadeMittwoch - ob es schon weitere sommerliche Kleidung zu sehen gibt? Frau Kleidermanie hat mich jedenfalls gerade angefixt mit ihrer wunderschönen Robe Vogue von Louis Antoinette. Diesen Schnitt muss ich mir unbedint mal genauer ansehen!
















Sonntag, 7. Mai 2017

Drei Farben - Blau, Weiß...





Mein letztes Strickprojekt, der Hint of Summer von Isabelle Kraemer, ist nun endlich fertig gestellt.
Wie so häufig bleibt die Frage: Was anfangen mit den Garnresten, die ich von dem Projekt übrigbehalten habe?
In diesem Fall habe ich mich entschieden, aus den Resten von Ito Shio und Ito Washi einen leichten Sommerschal zu stricken.
Und das nach einer Idee, die mir schon länger im Kopf rumspukt. Sozusagen ist es hier eine glückliche Fügung, dass ich reichlich Material zurückbehalten habe....

Kaum war der Pullover von der Nadel, wurde das neue Projekt angenadelt: 
Und nach wenigen Reihen wieder geribbelt - der lange schmale Zipfel gefiel mir nicht für das Endergebnis, das ich anstrebe. Das rustikale Muster aus dem feinen Garn jedoch gefiel und durfte bleiben.


 Der zweite Versuch mit abgestumpften Zipfel überzeugte - so wurde weiter in die Länge gestrickt. 

... und gestrickt.... und gestrickt. Mit dem feinen Garn und NS 2.5 zieht sich das Projekt gewaltig.

Schließlich war die gewünschte Länge in blau erreicht - und Farbe Nr 2, weiß, wurde angefangen:
 Hier finde ich spannend, wie sich das gleiche Muster in einer anderen Farbe völlig anders darstellt. 
 Leider kann man den Effekt auf den Fotos nicht gut erkennen. Bei nicht so greller Beleuchtung werde ich noch einmal versuchen, den Effekt einzufangen.

Zwischenzeitlich ist hier endlich so etwas wie Frühling eingezogen, und was gibt es Schöneres als draußen am Teich zu sitzen und dem Treiben der Tiere dort zuzusehen (und natürlich zu stricken)? Die Frösche und Kröten haben im März schon ordentlich Laich abgelegt, und dementsprechend viel Betrieb ist jetzt:

 Mein Beitrag wandert zu Maschenfein - auf den Nadeln im Mai - und zum Creadienstag.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Hippieblumen im Mittelalter

Blumen sind heute das Thema im Motto-MeMadeMittwoch.
Lange habe ich überlegt, was ich wohl zum Thema beitragen könnte. Ringel, Punkte, inzwischen sogar Tiere - alles das findet sich in meiner selbstgenähten Garderobe. Aber Blumen???

Doch halt: zufällig entdeckte ich beim Kramen im Shirtstapel dieses Shirt hier, das ich vergangenes Frühjahr genäht habe (hier gezeigt) und das drei Neuheiten vereinigt: Es ist grün! Es ist wild gemustert! Und zwar mit Blumen!
Hier ist der irre Stoff noch einmal von Nahem zu sehen. Er war eine spontane Liebe, der ich erlegen bin: 
Allerdings war ich mir am Ende nicht mehr so sicher, ob ich den Stoff richtig- oder falschherum vernäht habe.  Vielleicht stehen meine Blümchen auf dem Kopf? Egal - sind es halt hängende Gärten.

 Am Kragen habe ich noch einmal rumgespielt. Der ursprünglich eingerollte Kragen war nach der ersten Wäsche außer Form geraten. Wahrscheinlich hatte ich das Kragenstück zu lang zugeschnitten und beim Nähen nicht ausreichend angezogen. So habe ich ein neues Kragenstück zugeschnitten, und es offenkantig angenäht.


 Auch die Ärmelmanschetten habe ich offenkantig gelassen und mit der gleichen Ziernaht in Petrol versehen. Die offenen Kanten sind kein Problem bei der Wäsche. allerdings pillt der kiwigrüne Viskosejersey schon ziemlich, was ich sehr schade finde.
Aber (noch) trägt sich das Shirt toll und macht wegen der knalligen Farben gute Laune!

Die brauchte man auch am vergangenen Samstag, zumindest, was das Wetter anbetraf. Die Temperaturen bewegten sich wieder mal im einstelligen Bereich, und es schauerte schauerlich. Eigentlich Wetter zum Auf-der-Couch-bleiben. Aber:
Zusammen mit dem besten Ehemann von allen hatte ich mich in meinem geliebten Lübeck zu einer Stadtführung angemeldet, bei dem Angehörige des Lübecker Mittelaltervolkes mitwirkten. An verschiedenen Stationen der Führung tauchten kostümierte Figuren auf, die aus ihrem mittelalterlichen Alltag erzählten. Das war (trotz des Wetters) einfach toll! Deshalb will ich das Erlebnis mit euch teilen. 
Gleich beim Holstentor trafen wir auf eine Pilgerin. Diese war auf dem Wege zu St Petri, wo sich seinerzeit die Pilger trafen, um in Gruppen (denn das war viel sicherer bei den damaligen Verhältnissen!) zu ihren jeweiligen Pilgerzielen aufzubrechen. Diese Pilgerin will nach Bad Wilsnack, um ihre Zeit im Fegefeuer zu verkürzen. Für jede Meile, die man nach Bad Wilsnack wandert, wird ein Tag im Fegefeuer erlassen, und wenn man um den Wilsnacker Dom einmal herumgeht, noch einmal 42 weitere. Uns Teilnehmern der Führung wurde dringend ans Herz gelegt, auch eine Pilgerschaft anzutreten, denn schließlich sind wir alle Sünder - diese Empfehlung gebe ich auf diesem Wege dem geneigten Leser gerne weiter.

Übrigens war der NDR bei dieser Führung mit vertreten, es wurde eifrig gefilmt für einen Beitrag, der am 3. Juni anlässlich der Feier "30 Jahre Weltkulturerbe Lübeck" ausgestahlt werden wird. Auch die lokale Zeitung war vertreten, und ich wurde sogar kurz interviewt und konnte meine Äußerungen am Sonntag in der Zeitung lesen. Da war ich schon ein bisschen stolz!


Der junge Mann rechts im Bild beging seinen Junggesellenabschied - sein Outfit passt ganz hervorragend zu unserem heutigen Motto!


Diese krummen, schiefen Häuser beherbergten früher Salzspeicher, das Gold der Hanse. Sehr praktisch, gleich an der Trave gelegen, von wo das Salz aus Lüneburg und der Hering von der Ostsee eintrafen.
Heute ist ein großes Bekleidungsgeschäft hier untergebracht, und auch wenn man wie wir selbst näht, ist ein Besuch in dem Geschäft lohnend. Drinnen kann man immer noch die alte Architektur bewundern, und zwischen den Geschossen ist noch ein Flaschenzug in Betrieb, mit dem z.B. die gewählten Kleidungsstücke aus den einzelnen Abteilungen zur Hauptkasse im Erdgeschoss geschickt werden. 

Vor einem ehemaligen Kloster trafen wir auf die Köchin der dort lebenden Mönche. Sie hatte gerade auf dem Markt eingekauft und erzählte über die damaligen Essgewohnheiten. Den Mönchen ging es finanziell wohl sehr gut, denn sie konnten sich Fleisch leisten und auch Gewürze - zum Beispiel den langen Pfeffer, den es für die Teilnehmer zu kosten gab. Auch Gemüse fand sich in ihrem Korb. Getrunken wurde Bier, das es in verschiedenen Stärken gab: von 0,5% bis 16%. Davon gab es leider keine Verkostung.

Hinter dem Klosterbau versteckt sich einer der für Lübeck typischen Gänge. Wer einmal in Lübeck ist: unbedingt hinter die Vorderhäuser schauen! Denn dort gibt es so viele hübsche Höfe zu entdecken, die zum größten Teil öffentlich zugänglich sind. Hier ein Hof mit Häusern aus der Barockzeit, die immerhin etwa 100 qm Wohnfläche hergeben.

Auf unserem weiteren Weg trafen wir auf einen Kaufmann und Ratsherren in seiner prächtigen Kleidung. Der Herr trat gerade aus seinem Haus, dessen Portal der Spruch ziert "Il n'est rose sans èpine" - keine Rose ohne Dornen. Passt auch wieder schön zum heutigen floralen Motto, nicht?



Der Kaufmann hatte gerade ein gutes Geschäft abgeschlossen und Zinn aus England bestellt. Davon versprach er sich so einen satten Gewinn, dass er über einen Mantelbesatz aus Hermelin nachdachte. Wir wurden ermahnt, auf die Qualität unserer Kleidung zu achten, es seien im Tuchhandel viele Scharlatane unterwegs. Dann musste der Herr jedoch los, eine Ratsversammlung rief, bei der ein wichtiger Entschluss zu treffen war. Also gab es wohl auch zu Hansezeiten schon ordentlich Stress!


Auf der letzten Station, bei der Kirche St. Petri, die auf dem rechten Foto vorwitzig über die Giebel luschert, trafen wir noch auf eine Bettlerin, die uns von ihrem schweren Schicksal als Witwe und Mutter zahlreicher Kinder erzählte, von denen es nur zwei ins Erwachsenenalter geschafft hatten. In den heute so hübschen Gängehäusern herrschte damals Enge, Dunkelheit, Kälte (die Häuser waren aus Holz gebaut, so dass kein Feuer gemacht werden durfte) und Gestank (denn im Hof war die Kloake der feinen Vorderhäuser untergebracht). Mangelernährung trug ein Weiteres bei zur schlechten Gesundheit der Ganghausbewohner, das wurde durch die Darstellung der Bettlerin sehr deutlich.

Auch nach der Blüte der Hansezeit war der reiche Lübecker Kaufmann trendbewusst, wie man in der Straße links auf dem Foto sehen kann. Hier sind Häuerfassaden aus vier Epochen nebeneinander vereint - Klassizismus, Rokoko, Barock, Spätgotik und wieder Klassizismus. Wer auf sich hielt, ließ nämlich die bestehende Fassade seines mittelalterlichen Gemäuers nach neuestem Baustil verblenden. Ich habe sogar gehört, dass es dabei total unerheblich war, ob die Fassade, insbesondere die neu gesetzten Fenster, dann noch zu den dahinterliegenden Räumen passten. Der Schein nach außen war das, was zählte, und wodurch man seinen Reichtum nach außen präsentierte.
 
Nach dieser langen, blumigen Schilderung bin ich gespannt, was für Blütenträume heute beim MeMadeMittwoch präsentiert werden. Ich geh gleich mal gucken...

Montag, 1. Mai 2017

Spring Style Along 2017 - Motivation?

Schon ist der nächste Termin von Alex bei ihrem Spring Style Along:
 »Pep Talk: Wir sind mitten in der Umsetzung unserer Pläne! Sind wir doch? Oder etwa nicht? Für alle Bummelanten gibt’s die Zusatzportion Anschub. Die Streberlein dürfen schon erste Werke zeigen.«

Einige Stücke kann ich durchaus schon vorzeigen, wie ich  hier und hier gezeigt habe.

Seit dem letzten Mal ist mein Sommerpullover, der Hint of Summer, endlich fertig geworden, und den mag ich RICHTIG gerne:




Zum Finale der Herzen beim FJKA 2017 werde ich euch mit Tragefotos beglücken. Es ist einfach ein toller Pullover geworden, und die Quälerei mit dem dünnen Garn hat sich gelohnt.


Mit meinem Nähplan, hier vorgestellt, bin ich relativ weit gekommen, was auch daran liegt, dass ich mich recht disziplinert daran gehalten habe.

Ein kleiner Ausflug abseits der geplanten Pfade hat mich allerdings viel Zeit und Nerven gekostet.

Eigentlich war der lustige Punktestoff vorgesehen für eine Pussy Bow mit kurzen Ärmeln. Ein als Weihnachtsbluse 2016 erprobter Schnitt. Stattdessen war ich schockverliebt von einem Schnitt in der aktuellen Handmade Kultur, der Kellerfalten im Vorder- und vor allem im Rückenteil vorsah und an mir einfach nicht passen wollte. Und beim Säumen habe ich mich auch noch derb verschnitten, so dass die Bluse Gefahr lief zu kurz zu werden.
Die äußeren Kellerfalten im Rücken habe ich durch laaaaange Abnäher eingehalten und so etwas Form in die Rückenkontur gebracht, den Saum habe ich mit Schrägband eingefasst, ebenso die Ärmelsäume - nun ist die Bluse zwar immer noch sehr kurz aber (mit Trägershirt drunter) tragbar. Es wäre auch zu schade gewesen um den schönen Stoff!

Die lange Fummelei am Blusenshirt und auch die Renovierung meines Nähzimmers hat mich allerdings in meiner Motivation etwas zurückgeworfen. Statt Kleidung habe ich z. B. als Zwischendurchprojekte ein paar Täschchen genäht, sozusagen, um mich nach der Renovierung und zwei Wochen Zwangspause mit meiner Nähmaschine wieder anzufreunden.

Was fehlt nun noch von meinem Plan?
- die weiße Leinenhose
- die Sommerhose
- die Tunikabluse
- das Anlasskleid
- die schwarze Punktebluse, die ich nun als Sorbetto-Top mit Ärmeln zugeschnitten habe und mit einer Schluppe versehen werde.

Alles werde ich natürlich nicht mehr schaffen bis zum Ende des Style Alongs. Also muss ich Prioritäten setzen.
Das Anlasskleid, die Tunikabluse und die Sorbetto-Bluse werden (in dieser Reihenfolge) meine Projekte für das kommende Nähwochenende auf Schloss Noer. Drei volle Tage Nähen sollten mich bei meinen Vorhaben doch deutlich nach vorne bringen?

Die weiße Leinenhose wird auf jeden Fall noch genäht, wenn die Blusenprojekte umgesetzt sind. Den Stoff dazu habe ich neulich schon besorgt, und den Schnitt nach einer abgelegten Hose schon vorbereitet. Nachdem die letzte Hose so flink genäht war, hoffe ich hier auf keine größeren Schwierigkeiten.

Die Sommerhose vertage ich vielleicht aufs nächste Jahr oder streiche sie ganz. Der Stoff, den ich dafür gekauft habe, würde sich auch gut als Bluse machen, so käme vielleicht der Handmade-Kultur-Schnitt zu einer zweiten Chance und zu langen Ärmeln. Das überlege ich in Ruhe. Stoff wird ja zum Glück nicht schlecht...




Mittwoch, 19. April 2017

Spring Style Along 2017: Passt? Passt!

Fast hätte ich ihn verpasst, den dritten Termin beim Spring Style Along 2017 bei Handmade Glamour. Everyday.

Heute geht es um Passformprobleme und deren Lösung in Form von Anpassungen.
Ohnehin bin ich keine Königin bei Anpassungen. Ich schaue bewundernd auf zu denen, die in der Lage sind, mittels Maßband und Schneiderlineal schon am Schnitt Änderungen vorzunehmen. Zwar erkenne ich , wo ein Kleidungsstück nicht passt, und fummele es dann irgendwie passend, dies aber ohne jede Aufzeichnung am Schnittmuster (ich weiß einfach nicht, wie ich die Änderungen vom Kleidungsstück wieder auf den Schnitt übertragen kann), und in der Regel auf gut Glück.

Ich habe mich für den Moment, ebenso wie Gastgeberin Alex, bisher auf bewährte Schnitte beschränkt.So kam ich bisher um größere Änderungen herum und kann folgende fertigen Stücke präsentieren, die ich seit dem letzten Mal fertigbekommen habe:

- Die Hose aus Viskose-Polygemisch: Für meine Verhältnisse ein Meisterwerk, das mir da gelungen ist. Passt wie eine Eins, nachdem ich die hintere Mitte wie üblich an mein Hohlkreuz angepasst habe, und ist sehr bequem:
Den Werdegang habe ich hier genauer beschrieben. Damit ist ein superbequemes Stück in meiner Garderobe gelandet, das ich mit vielen Stücken aus dem Bestand kombinieren kann.

- Eine "Gartenliese":

In meinem Stash befand sich dieser pinkfarbene Punktejersey. Ein Schnäppchen, das ich letztes Jahr im Stoffladen der Verkäuferin aus der Dekoration von der Puppe abgeschwatzt hatte, weil ich das Muster und die Farbe einfach super fand. Ein Rest von 1.30 m für günstige 11 EUR, das konnte ich mir nicht entgehen lassen! Vor meinem inneren Auge stand ein Kleid nach dem Shirt-Schnitt "Frau Liese" von Schnittreif.
Als ich den Stoff dieses Jahr wieder zur Hand nahm, beschlichen mich dann doch Zweifel: Vielleicht sehe ich damit aus wie Miss Piggy?
Andererseits - pink ist das neue Rot, und die Liese soll für Freizeit, Garten und Strand sein und nicht fürs Büro. Also wurde der ursprüngliche Plan umgesetzt und flugs an einem Sonntag genäht. Da es das dritte Liesenkleid ist, näht es sich für mich inzwischen fast blind. Und ich finde, das Kleid ist gut gelungen und gar nicht schweinchenmäßig.





- ein Sommerblüschen
Zwei Blusen stehen auf meinem Nähplan. Diesen hübschen Stoff habe ich Anfang des Jahres erlegt, eigentlich war er gedacht für eine Kurzarmversion meiner Weihnachtsbluse mit Schluppe.
Dann allerdings entdeckte ich hier eine zauberhafte Bluse nach einem Schnitt der aktuellen Handmade Kultur, ich war schockverliebt und habe gleich losgenäht:
Ganz fertig ist es noch nicht - hinten ist ein geknöpfter Verschluss, und der Knopf muss noch angenäht werden. Bei der Passform musste ich ein bisschen tricksen, denn der Stoff ist ziemlich steif (weich fließende Viskose wäre vermutlich besser geeignet). So beulten die Kellerfalten des Rückenteils an meinem Hohlkreuz, und ich musste die Länge um gute 10 cm kürzen. Beim Abschneiden des Saums allerdings passierte der GAU: ich habe mich verschnitten. Nun ist das Shirt vorn noch mal um satte 4cm kürzer. Ein finaler Tragetest steht noch aus, ich hoffe, es ist nun nicht zu kurz... Aber die Punkte machen einfach gute Laune.

Es folgte eine Nähpause, denn mein Nähzimmer wurde in der Woche vor Ostern renoviert und teilweise auch neu möbliert. Nun erstrahlt alles in neuem Glanz (tatsächlich ist es nun so hell, dass ich fast mit Sonnenbrille nähen muss 😉)
Die Tapete war ein Spontankauf, eigentlich hatte ich ein völlig anderes, dezenteres Farbkonzept im Sinn, aber als mir die Tapete mit den umhäkelten und umwickelten Ästen vor die Nase kam, war es um mich geschehen.


Katze Maria findet sie auch gut, trotz Handicap (inzwischen ist sie wieder heile und den Trichter gottlob wieder los). Und ich fühle mich sehr wohl in meinem "neuen" Zimmer. Auf dem Foto der Punktebluse oben könnt ihr übrigens die alte Tapete sehen. Denkt euch dazu einen wuchtigen Kieferschrank, und ihr wisst, warum ich endlich eine Renovierung brauchte... Und seit Karsamstag wird auch wieder genäht.

Fast fertig ist mein Hint of Summer, der mich auf die letzten Meter noch ganz schön Nerven kostet, wie hier beschrieben:
Hier gab es auch ein kleines Passform-/Ribbeldrama: Hochnäsig habe ich die Abnahmen am Körper erst mal ignoriert, den halben Körper gestrickt und mir bei der späteren Anprobe ein unschönes Erlebnis beschert: Ein Sack hing an mir. Der Pulli ist zwar boxy, was mit meinem Hohlkreuz ohnehin schon problematisch ist. SO boxy sollte er aber nicht sein. Gestern wurde noch einmal anprobiert, und die Abkettreihe muss ich noch mal stricken, die leider viel zu fest geworden ist. Das ist nun allerdings das kleinste Problem, wenn bloß erst einmal der zweite Ärmel fertig ist.

Ja, soweit von meinem Nähtisch. Beflügelt vom Erfolgserlebnis der grauen Hose werde ich als nächstes eine weiße Leinenhose in Angriff nehmen. Ein Sorbetto-Top aus Viskose ist zugeschnitten, der Schnitt fürs Hochzeitsgastkleid ist immerhin abgepaust - ich würde sagen: LÄUFT!


Montag, 17. April 2017

Premierenhose und ein bisschen Klönschnack

Das Nähen von Hosen gehört immer noch zu meinen Angstgegnern.
Auch wenn ich inzwischen schon mehrere tragbare, darunter sogar zwei für meine Standards richtig gute Exemplare hinbekommen habe, ist ein Hosenprojekt für mich immer ein Angang.

Im Rahmen des Spring Style Alongs habe ich mir aber zwei Hosenprojekte auf den Zettel geschrieben, und eines davon ist - Tschakaa! - inzwischen fertig.
Und es war gar nicht schlimm. Vor allem ist es die beste Hose geworden, die ich bisher zustandegebracht habe. Aber der Reihe nach.

Bei K*rst*dt habe ich kürzlich einen Nadelstreifenstoff erwischt. Schon lange wünschte ich mir eine Nadelstreifenhose. Beim Preis von 11 EUR / m ließ ich Stoffdiät Stoffdiät sein, der Stoff kam mit. Als Schnitt habe ich mir den erprobten "Classic Flares" aus Ottobre 2/13 ausgesucht, dieser hat einen Sattel (was mir bei meinem Hohlkreuz die Anpassung im Rücken erleichtert) und Boot-Cut-Beine. Da ich aber eine Marlenehose wollte, habe ich die Beine von einem Burdaschnitt angesetzt. Die Taschen habe ich diesmal weggelassen (Rat von Frau Küstensocke: "Taschen tragen auf!") - ob sich das im Alltag bewährt, wird sich dann zeigen.

Beim Nähen hatten diesmal viele Helferlein ihre Premiere. Anfang des Jahres habe ich mir für relativ kleines Geld beim großen gelben Onlinehändler einen 32-teiligen Satz Nähfüße für meine Maschine gekauft. Und ich muss sagen, so manches Helferlein ist weltklasse!



Diese teste ich nach und nach aus, bisher habe ich mich bsonders in den Kantenfuß verliebt, der mir endlich akkurate Nähte entlang von Kanten beschert! Damit habe ich den Sattel der Hose abgesteppt, und ebenso die Gürtelschlaufen, die ich vorher mit dem Schrägbandformer gebügelt habe. Mit Wonderclips gesichert, flutscht auch nichts mehr weg, und so habe ich  - Premiere 1 - die akkuratesten Gürtelschlaufenstreifen ever fabriziert.
 Ein weiterer toller Helfer ist der Schrägbandeinfasser. Der war eigentlich der Grund, weswegen ich mir das Nähfuß-Set überhaupt angeschafft habe. Stufenlos verstellbar, hat man damit ruckzuck offene Kanten - in diesem Fall der innere Bundstreifen - mit Schrägband versäubert. Premiere Nr. 2!

Die Hose schließt mit einem konventionellen Reißverschluss, der mir auch gern mal misslingt, oder an dem ich lange rumfummeln musste. Diesmal habe ich mich ganz genau an die Anleitung gehalten (Ottobre hat hier eine sehr gut bebilderte), und - voilá: Es entstand auch noch ein sehr sauberer Reißverschluss.

Als Premiere Nr. 3 habe ich die Hosenbeinsäume mit Saumfix gearbeitet. Das ist eine klasse Sache, aufbügeln, umbügeln - fertig! Leider habe ich hiervon kein brauchbares Foto, und ich bin auch mal gespannt, wie dauerhaft diese Lösung ist. Aber es ist wieder eine schnelle und saubere Sache, ganz nach meinem Geschmack!

Und da ist sie nun, meine neue Hose! (Bitte entschuldigt das schlechte Foto. Die Kamera war mit den Lichtverhältnissen einfach überfordert.)

 Hier zeige ich euch noch mal die schöne Innenansicht mit der Schrägbandversäuberung...


 ... und meine Gürtelschlaufenlösung. Nämlich genau für einen sehr schmalen Gürtel. Im Leo-Design. Es tut mir Leid - den fand ich so großartig, den musste ich unbedingt haben.

Beim Nähen der Hose suchte ich ständig verstohlen nach der versteckten Kamera. Es lief einfach alles wie am Schnürchen. Bis auf die üblichen Anpassungen am Bund gab es keinerlei Gezumpel und keine Katastrophen. Ich bin ganz high von diesem unerwarteten Erfolg!

Der Stoff (50% Viskose, 50% Polyester) ist zwar sehr weich, knitterfrei und trägt sich wirklich angenehm, allerdings wärmt er so gut wie gar nicht. So ist die Hose bei den aktuell noch herrschenden Temperaturen nur begrenzt einsatzfähig, wie ich am Ostersonntag erfahren musste, als die Premierenhose ihre Premiere hatte.

Mit Freunden haben wir einen Ausflug Richtung Eckernförde gemacht und zunächst einmal die Globetrotter Lodge bei Ascheffel angelaufen.

Wer immer mal in diese Ecke kommt, sollte einmal dort einkehren. Allein architektonisch lohnt sich der Besuch. Am Innendesign konnte ich mich kaum sattsehen, das war bis hin zu der Beschriftung der Toilettentüren wirklich alles aus einem Guss und eine Augenweide. Lecker Essen gab es natürlich auch, unter anderem den ersten Spargel des Jahres. Mjam!

Zur Lodge gehört ein Hotel (Mitte unten), ein Aussichtsturm, den man auch beklettern kann, und zum erweiterten Gelände gehört der Ascheberg mit stolzen 98.4 m Höhe und versehen mit einer Statue von Otto von Bismarck.

Diese Statue stand bis 1919 im (heute dänischen) Apenrade und wurde 1930 hier aufgestellt. Damals waren sich die Preußen, die Schleswiger und die Dänen überhaupt nicht grün. Aber auch heute gibt es wieder Bestrebungen im Schleswigschen, sich Dänemark anschließen zu wollen, und in den Landtagswahlen tritt der Südschleswigsche Wählerverband an, um die Interessen der Dänen und Friesen im Land zu vertreten.

Oben auf dem Aussichtsturm hat man eine wunderbare Aussicht, man konnte sogar die Ostsee sehen. Allerdings war es dort oben auch ganz schön windig, weshalb ich in meiner dünnen Hose nicht so erfreut dreinschaue.
 Zum Kaffeetrinken führte uns der Ausflug dann noch nach Eckernförde. Ein wirklich entzückendes Städtchen, und zum Ostersonntag war tüchtig Betrieb in den Straßen, denn dank Bäderregelung waren die meisten Geschäfte geöffnet und es war eine Lust zu Bummeln.


Auf dem Bild rechts scheint es, als sei die Hose etwas zu lang - tatsächlich ist das nicht so. Beim nächsten Mal würde ich allerdings den Bund wohl ein paar Zentimeter tiefer setzen. Wenn man keine Taschen vorsieht, ist das ja überhaupt kein Thema.

Der Mann, den ich hier so herze, ist Wilhelm Lehmann, ein Pädagoge und Schriftsteller, der in Eckernförde gewirkt hat. Der Herr auf dem rechten Foto ist Lorenz von Stein, Staatsrechtler und Nationalökonom. Seine Herzensangelegenheit war die Unabhängigkeit der Schleswiger von den Dänen in den 1850er Jahren. Ich will gar nicht so viel dröge Geschichte herunterleiern, aber in diesem Zipfel der Welt fällt es mir doch sehr auf, wie gegenwärtig die jüngere Geschichte ist, wenn man die Augen ein bisschen öffnet.  Ich finde das sehr spannend.
Die beiden Herren stehen übrigens auf dem Rathausmarkt, und gleich in unmittelbarer Nachbarschaft ist das urige Café Heldt, das ein meterlanges Tortenbuffet bietet.

Hier wurde dann der Osterausflug zünftig beschlossen - und die Hose hat sich sehr bewährt: Es gibt ja nichts Besseres als eine Hose, die nirgends kneift! Übrigens habe ich mir schon die nächste Hose auf die Projektliste gesetzt. Ich hoffe, ich kann diese Woche zuschneiden!

Wettermäßig hat sich seit dem Wochenende übrigens kaum etwas geändert, in der Nacht gab es Frost, und nun sehen die Tulpen ganz schön traurig aus: 

Mit dieser Erkenntnis verlinke ich mich zum MeMadeMittwoch. Claudia vom Blog bunte kleider
zeigt ein Tuuli Dress im Leoprint.