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Mittwoch, 25. Oktober 2017

Pusteblumenknoten


Eigentlich bin ich ja auf Stoffdiät.

Aber wie bei jeder Diät soll man sich ab und an etwas gönnen - und so gönne mir ab und an kleine Lustkäufe.

Der letzte bestand aus drei Biojerseys, die mich im Onlineshop von Myo Stoffe angesprungen haben. Zwei davon wurden zeitnah zu Frau Marlenes vernäht
.
Der graue Jersey mit den weißen Pusteblumen sollte aber ein Kleid werden. Frau Liese als Kleid, die ich schon mehrfach als Kleid genäht habe, war ursprünglich der Favorit.

Als ich de Jersey dann aber in der Hand hielt, fand ich, dass er mit seiner weichen Anfassqualität auch für einen anderen Schnitt passend wäre. Die Bemerkung von Kape Anlumi, dass ich doch schon so viele Liesen hätte, gab den Ausschlag zur Planänderung: Twist Knot aus Ottobre 5/13 war nun der Schnitt der Wahl.

Auch dies ist ein bewährter Schnitt. Die erste Version, hier zu sehen, habe ich mir gleich zu Anfang meiner Nähkarriere genäht aus einem wild gemusterten Viskosejersey. Das Kleid trage ich sehr gerne, leider ist das Material für kühle Tage zu dünn. Die zweite Variante, hier gezeigt ist inzwischen entsorgt, da der Stoff zum einen ebenfalls sehr dünn und flutschig war (ein Reinfall beim Onlinekauf), und außerdem extrem pillte.

Ein Schnitt, den ich bereits mehrfach genäht habe, führt bei mir gerne dazu, dass ich schluderig werde. Nach dem Motto, ist mir schon ein paarmal geglückt und war nicht schwierig, da muss ich nicht so doll aufpassen.

So passierte es, dass ich ein oberes Rückenteil zuschnitt, dass partout nicht zum Rest passen wollte. Erst nach reiflichem Überlegen fiel mir auf, dass in der Plastiktüte, in der ich meine Schnittmuster aufbewahre, noch ein anderer Schnitt einsortiert war, und ich das falsche Schnittteil erwischt hatte. Der Zuschnitt war zum einen zu breit, zum anderen zu lang. Das ließ sich natürlich korrigieren. Als Folgefehler wurde dann allerdings der Stoff etwas knapp. War ich bei den anderen beiden Kleidern mit 2 m gut ausgekommen, musste ich hier ziemlich tricksen. Den Rockteil musste ich etwas verschmälern, und auch die langen Ärmel bekam ich nur mit Mühe raus. 
Außerdem habe ich das hintere Taillenband viel schmäler zugeschnitten als vorgegeben. Dies aber nicht aus Stoffnot, sondern aus der Erfahrung, dass die in der Anleitung eingekräuselte Version enorm aufträgt und die dicken Stofflagen ganz schlecht zu nähen sind. 

Genäht war das Kleid dann allerdings sehr schnell. Wenn man sich genau an die Anleitung hält (das ist normalerweise keine Stärke von mir, aber war mir von den vorherigen Kleidern in Erinnerung geblieben), ist das Knotenteil keine Hexerei.  
Die dicken Stellen an den Seiten, an der die Taillenbänder aufeinandertreffen, habe ich erst mit der Nähmaschine geheftet und dann mit der Ovi genäht, die so problemlos mit der dickeren Lage Stoff zurechtkam.
Besonders stolz bin ich auf die Einfassung des hinteren Halsausschnitts, die ist mir wirklich sauber gelungen. Ebenso wie die kleinen Abschlüsse an den Ärmeln, die ich aufgrund der Stoffknappheit ansetzen musste. 


Trotz aller Hürden ist das Kleid also ein Twist Knot geworden, und anlässlich eines 60. Geburtstags wurde es ausgeführt. Hier zu sehen auf dem Ponton des Lübecker Segelclubs, in dessen Restaurant die Party stattfand. 
Eine ganz wackelige Sache, aber eine super Location mit Ausblick auf die ganz dicken Villen der Lübecker oberen Zehntausend. Lecker Essen gab es übrigens auch 😊

Wie schon seine Vorgänger ist das Kleid bequem, ich finde es sehr kleidsam, und es lässt sich gut mit einem Jäckchen oder Blazer drüber kombinieren, wenn es etwas kühler ist.

Bei der Feier trug ich meinen Wardrobe Basic als Ergänzung, was zugegebenermaßen ein bisschen blass macht. Aber schaut mal, beim Bummel in Hamburg neulich ist mir dieses goldgelbe Jäckchen zugelaufen, ist das nicht eine super Kombi zum Kleid?
Grau / gold oder grau / curry ist seit letztem Herbst eine meiner Lieblingskombinationen. Vielleicht brauche ich noch ein Tuch in diesen Farben, was meint ihr?

Verlinkt zu Memademittwoch






Montag, 18. September 2017

Ferien-Hoodie



Springstoffe.
Ihr kennt das. Stoffläden arbeiten auf tückische Weise mit einem Vakuum, das arglose Kundinnen ins Ladeninnere hineinsaugt. Und dort ist man hilflos Springstoffen ausgeliefert.
Sie flehen einen an: "Nimm mich mit!"
Sie stellen fest: "Ich will ein Hoodie werden!"
Sie flüstern in dein Ohr: "Ringel gehen IMMER!"
Und irgendwann ergibt sich frau ihrem Schicksal, und der Mann, der vor dem Vakuum-Sog merkwürdigerweise gefeit blieb und mehr oder weniger geduldig vor dem Laden  wartet, rollt heimlich die Augen über die Tüte, die in den Kofferraum wandert.

So geschehen mit diesem wunderbaren Sommersweat, der mir auf Usedom zugelaufen ist (was ich bisher stofftechnisch als ungefährlichen Fleck eingeordnet hatte, aber auch hier gibt es nun ein nettes Stofflädchen).
Schon im Laden nahm ein Hoodie in meiner Vorstellung Gestalt an. Der Stoff schrie geradezu nach offenen, nach außen umgeschlagenen Kanten - es fehlte nur der rechte Schnitt.
Ich bin bekennender Ottobre-Fan, und die Durchsicht der vorhandenen Hefte ergab zwei Favoriten - schlussendlich ist, nach Beratung mit einigen Nähfreundinnen, die obere Variante "Get Moving"  aus Heft 5/15 geworden, ab den Achseln allerdings etwas weiter zugeschnitten.

Der Zuschnitt war so eine Sache. Denn obwohl der Sweat nicht ganz billig war, hat er sich beim Waschen derbe verzogen:
 Um kein Streifenfiasko zu fabrizieren, musste ich daher etwas herumtricksen, bis ich alle Schnitteile vernünftig untergebracht hatte.

Das Nähen wiederum war erst einmal keine große Sache. Die tollen Sattelärmel habe ich schon mehrfach genäht, u. a. beim Ringelshirt und dem Vogelmantel, bei dem auch die gleiche Taschenvariante genäht wird:

Bei der Kapuze habe ich die Innenkante nach außen geklappt, so entsteht der Tunnelzug für die Kordel.

 Die schmalen roten Streifen sind doch ziemlich dezent, und damit der Hoodie nicht so sehr nach Bademantel aussieht, habe ich alle Nähte, an die ich noch herankam, mit dem Hexenstich noch zusätzlich abgesteppt, und auch die Kapuzenkordel noch mit roten Kordelstoppern und Endstücken versehen.
 

Gerade rechtzeitig zum Sommerurlaub auf Texel war mein Hoodie dann fertig: 



 ... und ich finde ihn genau richtig!
Inzwischen hat er sich auch abseits vom Strand zu einem Lieblingsstück gemausert, denn er ist bequem und warm, und hat praktische Taschen, in der ich die Tempos für meine Triefnase verstauen kann.

Mein Hoodie wandert nun zum MeMadeMittwoch  - ich bin gespannt, was die anderen Damen heute zeigen.



Dienstag, 11. Juli 2017

Für heiße Nächte

Nein, keine Sorge, dies hier ist kein Post über Negligés oder Reizwäsche, oder gar für stimmungsvolle Filmchen 😊

Unser Schlafzimmer liegt unterm Dach. Das Fenster geht nach Südosten, morgens ab sieben knallt die Sonne aufs Bett. Und der beste Ehemann von allen ist sehr lärmempfindlich. Schlafen mit offenem Fenster fällt daher aus. Schlafen mit offener Tür ebenso, da unsere beiden Katzen nur zu gern mit im Bett schlafen. Wenn es draußen heiß ist, ist es im Schlafzimmer ebenfalls heiß. Also muss was Luftiges zum Schlafen her.

Wie gut, dass ich nähen kann!

In meiner Stoffkiste lagerte schon eine ganze Weile ein weicher türkisfarbener Jersey. Ein Meter, ursprünglich vorgesehen für ein Shirt. Bei meinen Überlegungen zum Spring-Style-Along und der Stoffdiät befielen mich allerdings Zweifel, ob die Farbe für mich so optimal ist. Der Jersey wanderte zunächst auf den Haufen mit den Problemstoffen.

Im Urlaub auf Usedom aber fand ich den optimalen Kombipartner: Einen bunten Jeresey "After Rain" von Hamburger Liebe, mit dem ich online schon lange geflirtet hatte. Ein halber Meter kam mit.

Ursprünglich plante ich ein Nachthemd. Als ich dann aber zu Hause ein passendes Schnittmuster im Fundus suchte, entschied ich mich dafür, einen Shorty zu nähen.

Den Hosenschnitt habe ich abgenommen von einer ausrangierten Schlafanzughose, die ich in der Länge so gekürzt habe, dass ich aus dem türkisen Jersey gerade eben noch die Sattelärmel für das Oberteil herausbekommen habe.

Für das Oberteil entschied ich mich für den bereits erprobten "Solid & Stripes" aus Ottobre 5/15. Der Hamburger-Liebe Jersey reichte haargenau für Vorder- und Rückenteil, und ein kleiner Rest blieb übrig für eine Applikation auf dem Hosenbein.
Das war am Ende doch eine ganz schön knappe Angelegenheit, die ein bisschen Schnittmustertetris erforderte. Schließlich aber passte alles, wenn auch gerade eben so.





Im Nachhinein hätte ich mal besser ein bisschen mehr von der Hamburger Liebe mitgenommen, denn mit dem halben Meter war nicht mehr an einen normalen Saum zu denken, ohne dass das Shirt zu kurz geworden wäre.

Also wagte ich mich an Neuland: den Rollsaum! Mit der Overlock!
Davor hatte ich bisher gehörig Respekt, da ich bei der Inbetriebnahme meiner Ovi kurz das Kapitel gestreift hatte und eine aufwändige Umbauanleitung erinnerte. 


Im Endeffekt war es aber gar nicht schlimm, und nachdem ich alle Varianten einmal Probe genäht hatte, entschied ich mich für einen normalen Rollsaum in pink, der in kürzester Zeit genäht wurde.


 Die Säume an Ärmeln und Hosenbeine habe ich dann auch noch mit einer zweifarbigen Ziernaht versehen, genäht mit der Zwillingsnadel.


Auch das habe ich noch nie gemacht, und bin von dem Ergebnis ganz angetan.

Und so ist er fertig, mein Schlafshorty für die heißen Nächte:
 Einige Male kam er bisher auch schon zum Einsatz - und hat sich bereits gut bewährt!

Mit meinem Shorty nehme ich zum ersten Mal seit Langem wieder einmal beim Creadienstag teil, wo viele Kreative ihre Werke zeigen.






Mittwoch, 5. Juli 2017

Wenn jetzt Sommer wär...

... dann würde ich meine neue Tunika tragen.


Heute ist der letzte MeMadeMittwoch vor der Sommerpause, das Thema lautet "Ich packe meinen Koffer".  Und wie ich zu einem sommerurlaubstauglichen Basicteil gekommen bin, das sich schon perfekt bewährt hat, erzähle ich heute hier.

Schon im letzten Herbst hatte ich mir diesen leichten Baumwollbatist auf dem Stoffmarkt gekauft, für den ich mir eine luftige Sommertunika vorstellte.


In der aktuellen Ottobre war dann DER Schnitt enthalten: "Casual Friday", ein Tunikakleid mit Stehkragen, 3/4 Ärmeln, aufgesetzten Taschen und Bindegürtel.Vielleicht ein bisschen länger als geplant, aber insgesamt genau meins.

Es dauerte dann aber doch noch bis zum Sewing by the Sea, bis ich die Tunika in Angriff nahm. Was nicht ganz so schlimm war, denn bis Mitte Mai war es ohnehin noch viel zu kalt um überhaupt an leichte Sommerkleidung zu denken.


Nähen lässt sich die Tunika relativ einfach. Am Schwierigsten fand ich den Besatz der Knopfleiste. Das Schnittteil hat eine sehr abenteuerliche Form, und man muss es raffiniert falten (und bügeln!), damit es passt, wie es soll. Alles andere, selbst die Knopflöcher, war gut zu bewältigen.
Für die Stoffdiät schlägt die Tunika mit 1.70 m zu Buche in der Juni-Statistik. Gar nicht so schlecht!


Der Stoff hat zwei schöne Seiten, eine mit feinen Längsstreifen, die andere ist quer gestreift. So habe ich den Knopfleistenbesatz, Stehkragen, Ärmelmanschetten und auch die aufgesetzten Taschen mit der linken, quergestreiften, Seite nach außen genäht. Auf dem Foto unten kann man das ein bisschen erkennen.

Beim Nähen der kniffligen sichtbaren Nähte kam mein neuer Freund, der Kantensteppfuß wieder zum Einsatz, und so sind sie alle Nähte schön akkurat geraten.


Mit der Fertigstellung der Tunika habe ich ein bisschen gebummelt, und so habe ich tatsächlich die letzten Nähte am Tag vor der Abreise nach meinem geliebten Usedom genäht.

 Den vorgesehenen Bindegürtel aus dem Blusenstoff habe ich zwar zugeschnitten, aber bisher noch nicht genäht (und vermutlich lasse ich das auch endgültig bleiben). Falls ich die Bluse mit Gürtel tragen sollte, würde ich dazu eher einen "echten" Gürtel aus Leder dazu wählen, und - zur Abrundung des Outfits - passende Schuhe. 

Im Usedom-Urlaub kam die Tunika dann an einem der wenigen heißen Tage, die wir bisher hier im Norden hatten, grandios zum Einsatz - hier am Strand von Bansin.

Die vorgesehene Länge habe ich belassen, die Tunika endet bei mir etwa eine Handbreit über dem Knie, hinten ist sie etwas länger.
Beim Ärmel musste ich ein bisschen tricksen, der war etwas zu weit für die Armausschnitte (das Problem habe ich öfters, es kann aber daran liegen, dass ich beim Zuschnitt immer nicht so ordentlich arbeite 😟). Hier habe ich eine Kellerfalte gelegt, um die Mehrweite loszuwerden. Die Falte sitzt auf der Schultermitte - wenn ich mir das Bild so betrachte, hätte ich sie wohl besser ans vordere Ende der Passe verlegt. Egal - bleibt so.

Anfang Juni, als die Bilder entstanden sind, war die Ostsee noch ganz schön kalt (15-16°C) - beim rechten Foto ist mir grade eine Welle bis zum Oberschenkel geschwappt.
Das hat mich allerdings nicht davon abgehalten, wenige Minuten nach Entstehen der Fotos ein Bad zu nehmen. Herrlich!

Ich muss sagen, ich diese Tunika ergibt ein wunderbares Basic-Teil . Der Stoff ist sehr luftig, daher gerade an heißen Tagen sehr angenehm. Am Strand ergibt die Tunika mit Leggings ein lässiges Outfit, das einem auch beim Umziehen hilfreiche Dienste leistet. Aber mit einer schmalen Hose zusammen ist sie auch bürotauglich zu stylen - ich bin wirklich begeistert!

Mitte August geht es für ein paar Tage nach Texel, da wird das Lieblingsstück auf jeden Fall wieder in den Koffer gepackt. Und hoffentlich gibt es vorher noch ein paar Sommertage, an denen ich sie auch wieder tragen kann.

Bis zu meinem nächsten Urlaub sind es noch ein paar Wochen - und für diejenigen unter uns, die auch noch ein bisschen Zeit überbrücken müssen, teile ich hier ein bisschen Ferienstimmung von meiner Lieblingsinsel Usedom:

Zum Pflichtprogramm gehört jedes Mal eine Radtour nach Swinemünde entlang der tollen Strandpromenade, die 12 km am Strand entlang führt. Die Grenze ist mittels der Baken markiert, der Holzbohlenweg folgt dem Grenzverlauf bis zum Strand. Aber ansonsten ist nicht zu merken, dass man ein anderes Land betritt. Sogar die leckeren Gofry kann man am Waffelstand mit Euro bezahlen.
Für mich ist es eine ganz wunderbare Sache, dass Länder so zusammenwachsen und man ohne Formalitäten einfach über die Grenze hopsen kann.
Fisch gehört natürlich auch zum Inselurlaub. Überall kann man Räucherfisch kaufen (mjam!), besonders schön an den Salzhütten in Koserow. Dort hat man alles ein bisschen touristisch aufbereitet und entsprechend dekoriert, dass es fast schon kitschig ist - aber die schönen Spruchtafeln, die an jeder Ecke mit plattdeutschen Weisheiten belehren finde ich klasse.


 Der Strandkorb darf natürlich auch nicht fehlen. Dieses Foto beinhaltet für mich die perfekte Urlaubsstimmung - Meer, blauer Himmel, feiner weißer Sand, Strandkorb - und die freche Möwe, die auf Beute lauert. Hach...

Euch allen schöne Ferien, und an das MMM-Team ganz lieben Dank für die Organisation und auch die neuen Ideen, die in diesem Jahr umgesetz wurden. Weiter so!

Mittwoch, 31. Mai 2017

Die Ameisenkante

Beim Frühlingsjäckchen-Knit-Along habe ich mir einen wunderbaren Pullover, den Hint of Summer gestrickt. Wegen der VoKuHiLa-Saumkante, die vorn vielleicht doch ein bisschen kurz geraten ist,  wollte er ein passendes Shirt zur Ergänzung.
Die Wahl fiel auf "Faded Stripes" aus Ottobre 2/15, ein einfaches Shirt mit überschnittenen Schultern und Schulterpassen. Vier Teile, Einfassungen für Halsloch und Ärmel, lässiger Look, das überzeugte mich als schnelles Projekt zwischendurch.
Trotz Stoffdiät habe ich den Jersey zum Projekt bei Stoff & Stil gekauft (und gleich vernäht, also kein Problem für die Diät). Er hat eine leicht gerippte Oberfläche und ist ansonsten einfach weiß.

Zuschnitt und Nähen waren kein Problem, an einem Nachmittag war das Shirt fertig und natürlich in der Länge auf den Hint of Summer angepasst.
 Allerdings war es so nackig weiß doch ein bisschen langweilig, es fehlte der letzte Schliff.
Die Muse küsste mich beim Lesen von diesem Post von Frau Wollixundstoffix. Eine kleine Handstickerei gab die besondere Note bei ihrem Kleid - so was wollte ich für das Shirt auch!

Ein Faden des blauen Garns aus den Resten der Pulloverstrickerei, einfache kleine Vorstiche entlang der Schulterpassen und Halsausschnitte: So entstand die "Ameisenkante" (denn die Stiche sehen aus wie die umlaufende Auswahlkante bei Bildbearbeitungsprogramme, die der kleine Sohn einer Bekannten so lustig getauft hat).

Damit ist das Shirt nun richtig fertig:
 Durch den weiten Schnitt und die überschnittenen Schultern ist das Shirt überaus bequem und lässig, und natürlich vielseitig kombinierbar.

Ich hatte es bei einem Ausflug nach Fürth an, wo wir ein Wochenende bei der Hochzeit meiner ältesten Freundin verbracht haben. Neben den Tragefotos will ich auch ein paar Eindrücke dieses schnuckeligen Städtchens mit euch teilen, wo ich so einige Überraschungen außerhalb der üblichen Sehenswürdigkeiten entdeckt habe: 
In Fürth gibt es nämlich Drachen. Wieso der wohl vor einer Schule liegt? Ist das vielleicht Frau Mahlzahn? Oder Fuchur? (ich hatte einen Lehrer, dessen Vespa Fuchur hieß, die war auch vanillegelb)
Und jede Menge Buntstifte! Im nahen Nürnberg wurde nämlich der Bleistift "erfunden", und diese Zunft hat dort Tradition (Staedtler und Faber Castell kommen nicht von ungefähr aus dieser Gegend).
Ich bekam gleich irre Lust zu zeichnen, am liebsten hätte ich den Staedtler-Laden leergekauft!
Und es gibt einen leider verwaisten, aber immer noch echt kultigen ehemaligen Autosalon mit angeschlossener Tankstelle und Werkstatt. Beim Anblick dieses Gebäudeensembles wuchsen mir förmlich Petticoat und Pfennigabsätze, so stark fühlte ich mich in die 50er Jahre zurückversetzt. Ich konnte mir ganz genau die blank polierten Autos im Schauraum vorstellen, bestimmt stand da ein rotes Cabrio im Schaufenster! Schade, dass es so etwas heutzutage nicht mehr gibt.

 Hinter dieser wunderschönen Tür verbirgt sich ein Innenhof, in dem noch eine Gleisanlage zu erkennen ist. Wenn man sich hineinwagt, sieht man Werkstätten und einen großen Schlot; das Gelände beherbergte früher eine Kürschnerei. Hier ist auf einem Schild vermerkt, dass der Schlot vor vielen Jahren saniert wurde, um einem Storchenpaar Heimat zu bieten, das sich seither jedes Jahr dort einfindet. Leider waren Storchens an diesem Samstag Vormittag nicht zu Hause, aber die Geschichte mag ich wirklich gern!

Mein Shirt mag ich auch gern, hier für euch noch mal eine Detailaufnahme mit Ameisenkante:


Was mich an dem Projekt ganz besonders fasziniert hat, ist die Tatsache, dass sich mit geringem Aufwand und ohne große Schwierigkeiten ein ganz toller Effekt erzielen ließ, der das Shirt wirklich aufwertet. Ich habe mir ganz fest vorgenommen, so etwas wieder einmal auszuprobieren. 

Mit meinem Shirt geht es nun zum Memademittwoch. Sybille zeigt uns heute die Bielefelder Kunsthalle in einem Namedpatterns-Schnitt.
Und endlich einmal passt ein Kleidungsstück auch zu den 12 Colours of handmade fashion - die Farbe für den Mai ist nämlich weiß. 





Dienstag, 30. Mai 2017

Am Ende wird alles gut... Ringelshirt

Ringel sind heute Thema beim MeMadeMittwoch.
Da kann ich doch mithalten! Ringel gehören seit zwei Jahren zu meinem festen Beuteschema. Bestimmt fünf Ringelshirts habe ich mir inzwischen genäht, eines davon ist noch ganz frisch. Aber der Reihe nach!

Ihr kennt das sicher: Springstoffe! Die euch im Regal anspringen, sich an euch klammern und erst nach dem Bezahlvorgang Ruhe geben? Dieses Erlebnis hatte ich mit diesem wunderschönen Courtelle-Jersey, den ich im März bei einem Besuch in der örtlichen Stoff & Stil-Filiale entdeckt habe.
Keine Frage, der musste mit, ich hatte keine Chance, und mir schwebte auch schon ein wunderbares Projekt vor: "Poetic Lace" aus Ottobre 5/16, gekürzt zum Shirt.
Die Kragenlösung fand ich sehr interessant, so etwas wollte ich unbedingt nähen, und zwar beim Nähtreffen auf Schloss Noer.
Doch es schien, als stünde das Projekt unter keinem guten Stern. Den frisch erbeuteten Stoff habe ich sofort gewaschen, und erlebte eine böse Überraschung, als ich ihn aus der Maschine geholt habe: 
 Bis zum Nähtreff war nicht mehr allzuviel Zeit, und ich arbeitete schon an einem Ersatzprojekt, während ich den verfärbten Stoff reklamierte. Stoff & Stil war sehr flink und entgegenkommend, man schnitt mir einen neuen Meter zu und hinterlegte ihn für mich in der Filiale, wo ich ihn ganz knapp vorm Nähtreffen abholte. Diesmal überstand der Jersey die Wäsche problemlos, wurde zugeschnitten und eingepackt.

Nachdem mein erstes Projekt, das Kirschblütenkleid, fertiggestellt war, sollte das Shirt ein entspanntes Zwischendurchprojekt werden. Doch das schlechte Karma setzte sich fort. Ein Ausrutscher mit der Ovi, und ein hässliches großes Loch klaffte in der linken Schulter:


Und natürlich war kaum noch Stoff übrig, um noch einmal ein Vorderteil zuschneiden zu können. Was für ein Jammer!
Was tun? Gut, dass ich mit meinen Mitnäherinnen beratschlagen konnte. Und tatsächlich fand sich eine Lösung. 

Die beiden "Flügel", die vom Rückenteil auf das Vorderteil überlappen, habe ich neu zugeschnitten und entlang eines Ringels neu zusammengenäht.
Alles ordentlich aufgebügelt - sieht kein Mensch. Und wenn, sieht es "gewollt" aus.

Was für ein Glück!

Alle weiteren Schritte habe ich mit äußerster Vorsicht und ausnahmsweise nicht mit der Ovi genäht, sondern mit der normalen Nähmaschine. Sicher ist sicher.
Und so war am Ende des 3. Tages auf Schloss Noer tatsächlich meine kleine Dramaqueen fertig:


Und nur geübte Adleraugen sehen kleine Unregelmäßigkeiten. Das Zusammensetzen der Vorder- und Rückenteile war nämlich gar nicht so einfach. Und leider verzeihen Ringel kleine Schlampereien nicht. Aber das Shirt gefällt mir trotzdem, und das Material ist einfach großartig. Ganz weich, dabei hat der Courtelle einen schweren Fall, ohne sich wirklich schwer anzufühlen.

Beim Kunsthandfest im Nachbardorf am Himmelfahrtswochenende habe ich das Shirt ausgeführt, und möchte wie immer ein paar Einrücke mit euch teilen:
Vier ortsansässige Künstler öffnen jedes Jahr ihre Ateliers, laden weitere Künstler und Kunsthandwerker ein, und das ganze Dorf ist das Wochenende über im Ausnahmezustand. Natürlich kann man nicht nur gucken, sondern darf auch kaufen und sich vor allem mit den Künstlern austauschen. Die Auswahl der Aussteller ist jedes Jahr ein bisschen anders, und es gibt auch ein Rahmenprogramm mit Musik und Gesang. 

Hier ist der Kaffeegarten, der sich bis zur Trave erstreckt. Ist es nicht herrlich dort? Die Segelschiffe aus der Werkstatt von Udo Hoffer sind aus Keramik und haben hauchdünne Segel aus Porzellan. Wunderschön!

Der Kaffeegarten endet direkt an der Trave, wo ein paar Vatertagsausflügler sich beim Stehpaddeln vergnügten.

Der Kaffeegarten gehört zu dem Gelände einer Antikmöbelrestauration von Uwe Kolschegg. Neben wunderbaren (leider unbezahlbaren) restaurierten Antiquitäten gibt es dort auch jede Menge Kleinkram zu bestaunen, von der alten Badewanne bis hin zum Nähkästchen aus Omas Zeiten (meine hatte genau so eines):


 Den Handtuchhalter fand ich besonders reizend, denn hier wird für Ordnung gesorgt:
Gläsertuch - Tellertuch - Wischtuch - Handtuch. Alles klar!


Ein kleiner Blick in den privaten Garten - bei "Künstlers" geht es auch privat kunstvoll zu.

Besonders hat mir mir auch diese kleine Wildfamilie aus der Schmiede von Isabel und Kurt Lange.

Und diese von Hand geprägten (punzierten) Sporenriemen - sind sie nicht eine Augenweide? Ich habe zugesehen, wie die Prägung "eingemeißelt" wurden, eine Wahnsinnsarbeit, und wunderschön!

Es war wieder ein gelungener Ausflug, und mit meinem Shirt war ich dem Wetter entsprechend luftig gekleidet (und doch ausreichend vor der Sonne geschützt). 
Ob ich es allerdings noch einmal nähen würde, kann ich nicht sicher sagen. Falls ja, dann einfarbig, und ohne Beleg, sondern wie in der Anleitung vorgesehen, mit Einfassstreifen an den Halsausschnittkanten. Und ich werde mir merken, dass ich ganz ganz exakt sein muss beim Anbringen der Markierungen!

Wie sich die anderen Damen so ringeln, werde ich mir jetzt einmal in Ruhe ansehen. Bestimmt springt mich wieder eine Idee an... aber das ist ja das Tolle am Memademittwoch, der stets sprudelnden Quelle an Inspirationen! An dieser Stelle einmal noch ein ganz herzliches Dankeschön an das Moderatorenteam, das neue Konzept mit Monatsthemen und Gastbloggern finde ich sehr sehr schön, und es ist mir jeden Mittwoch eine Freude, hier zu sein!