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Mittwoch, 8. November 2017

Fast für die Tonne...

... wäre diese Bluse gewesen.
Dieses Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern.

Dabei ging alles so gut los.
Beim letzten Bummel durch Stoff & Stil, auf der Suche nach passendem Stoff für ein Weihnachtskleid, lief mir ein wunderbarer Viskosestoff über den Weg. Genau mein aktuelles Beuteschema - currygold mit dunkelblau.😍😍😍😍
Das Projekt dazu war klar - die Bluse aus der Frühlingsausgabe von Handmade Kultur. Diese hatte ich als kurzärmelige Variante im Mai schon genäht, und nun wollte ich gern noch eine langärmelige Variante haben für den Herbst. Mit der Stoffwahl der ersten Bluse war ich nicht so glücklich, aber bei einem Nähtreff hatte ich Gelegenheit, eine Version aus weich fallendem Stoff probieren zu dürfen, die mir ausgesprochen gut gefiel. Stoff vorhanden, Schnitt lag bereits abgepaust und ausgeschnitten vor - so war alles bereit zum Start.

Doch schon beim Zuschnitt passierte mir ein Fehler. Obwohl die Seiten des Stoffs wunderbar gekettelt waren, habe ich alle Teile quer zum Fadenlauf zugeschnitten und das erst gemerkt, als nur noch die Belege zuzuschneiden waren.
Trotzdem habe ich angefangen zu nähen, allerdings schon leicht genervt.  
Die Ärmel habe ich diesmal nicht gekräuselt, sondern mit Hilfe von Stecknadelvoodo in Fältchen gelegt.  Für den hinteren Verschluss fand sich ein passender Knopf in meinem Fundus. Gar nicht mal so schlecht!

Da der Stoff ziemlich dünn ist und leicht franst, wollte ich gerne französische Nähte nähen. Das finde ich immer besonders adrett bei so feinen Stoffen. Beim Schließen der Ärmelnähte stellte sich dann heraus, dass die Ärmel viel zu eng wurden.
Schon mal vier lange Nähte bei einem empflindlichen Stoff aufgetrennt? - Dann wisst ihr ja, wie ich mich fühlte.
Merke - wenn französische Nähte auf dem Plan stehen, immer ordentlich Nahtzugabe zugeben!
Neu genäht passten nun meine Arme auch in die Ärmel. Allerdings passte die ganze Bluse irgendwie nicht so recht - zu eng um die Brust, die Falten wollten nicht ordentlich liegen (was vielleicht am Fadenlauf liegt?), und überhaupt fühlte ich mich gar nicht wohl.
In diesem Stadium entschloss ich mich, die Säume noch zu nähen und die Bluse zu spenden. Dem schönen Stoff trauerte ich allerdings schon hinterher.
Und auch beim Festlegen der Ärmellänge passierte wieder ein Fehler - ich habe an der falschen Markierung abgeschnitten und die Ärmel so mehr gekürzt als beabsichtigt. Menno! 😠😠😠

An einem schönen Samstag Vormittag nahm ich mir die Säume also vor. Eigentlich sind an den Ärmeln und auch am Saum Gummizüge vorgesehen, um einen Balloneffekt zu erzielen. Da die Bluse aber so einen hübsche Länge hatte, habe ich alle Säume einfach umgenäht.

Eine letzte Chance kriegte die Bluse noch - und bei der Anprobe ohne langärmeliges Shirt drunter fiel alles an seinen Platz. Auf einmal passte sie, Heureka!
Wie passend: so hatte ich plötzlich ein wunderbares Outfit für eine festliche Einladung!

Solange am Samstag das Licht noch ausreichte, habe ich mich flugs in Schale geworfen, und der beste Ehemann von allen mussste seine Bauarbeiten unterbrechen, um "Modefotos" anzufertigen. 

Die Form des Halsausschnitts gefällt mir besonders. Nicht zu offenherzig, aber doch auch ein bisschen raffiniert durch die Falten.

Hier kann man ein bisschen die schöne, leicht ausgestellte, Ärmelform erkennen. Und wie durch ein Wunder haben die Ärmel auch mit Saum genau die richtige Länge!

Auch die Saumlänge gefällt mir ganz gut an meiner Bluse. Da der Stoff so weich ist, kann man sie auch gut in den Hosen- oder Rockbund stecken - sie ist also tatsächlich universell tragbar.
Beim Aufrüschen für die Feier fiel mir allerdings auf, dass mir zum wirklich perfekten Outfit der passende Schmuck fehlt. Aber das ist eine andere Geschichte...

Habt ihr auch schon mal ein Kleidungsstück genäht, dass euch während des Nähens so geärgert hat, und das euch am Ende doch sehr gut gefällt?

Verlinkt zum MeMadeMittwoch.



Montag, 18. September 2017

Meine Interpretation von Sorbetto

Obwohl es jetzt schon deutlich Herbst werden will, zeige ich euch am heutigen MeMadeMitwoch noch einmal ein sommerliches Blüschen, das ich für diese Saison genäht habe.

Sorbetto ist ein kostenloses Schnittmuster von Colette-Patterns. Ursprünglich ärmellos, wurden der  sehr beliebte Schnitt nach und nach um kurze Ärmel und eine Version in Tunikalänge ergänzt. Der Schnitt schlummerte schon lange in meiner Sammlung. Aber erst, als sich der richtige Stoff - das schöne schwarzweiß getupfte Viskosegemisch von Stoff & Stil - fand, wanderte Sorbetto auf die kontkrete Projektliste.

Der Plan sah die Version mit Ärmeln vor, und statt des mit Schrägband versäuberten Halsausschnittes sollte eine Schluppe daran gebastelt werden. Das hatte ich bei meiner Schirmchenbluse schon einmal geübt und für machbar gefunden.

Eigentlich wollte ich Sorbetto schnell mal noch beim Nähtreffen auf Schloss Noer nähen, doch leider kam dort alles anders - und das zugeschnittene Top wanderte ungenäht wieder mit nach Hause.
Und lag dort noch bis in den Juni. Das kalte Wetter, das einfach nicht sommerlich werden wollte, machte keine Lust auf das Nähen leichter Kleidung.

Schließlich habe ich mich aber doch aufgerafft und das Projekt in Angriff genommen.
Und bin ganz angetan.
Sorbetto ist ratzfatz genäht. Auch mit Ärmeln und der Schluppe.
 

Vom Stoff bin ich sehr begeistert. Er war nicht flutschig, fällt sehr schön und hat doch eine etwas schwerere Anfassqualität. Die Tupfen finde ich ohnehin großartig!

In einigen Posts zu Sorbetto habe ich gelesen, dass es Probleme gab mit der Passform der Ärmel, dass der Ausschnitt sehr "halsfern" sei, und die Länge eher was für Kleine.

Keins dieser Phänomene habe ich bei meinem Projekt beobachtet. An Länge habe ich nichts zugegeben und finde das Shirt gerade richtig :


Die Schluppe habe ich als langes Rechteck zugeschnitten, die langen Enden verstürzt und den Halsausschnitt mit einer Rechts-Links-Naht eingefasst. In der vorderen Mitte, wo die Schluppe gebunden wird, habe ich ein ca 10 cm langes Stück mit Schrägband eingefast:

Kenner werden feststellen, dass ich statt der ursprünglich vorgesehenen nach außen gerichteten Faltung eine Kellerfalte gearbeitet habe (ich habe quasi die Faltung auf die Innenseite gelegt). Das gefiel mir in Verbindung mit der Schluppe besser, da diese die markante Falte des Originals ohnehin teilweise verdeckt hätte.

Im Eifer des Gefechts habe ich erst am Ende gemerkt, dass ich die Brustabnäher vergessen habe.
Das tut der Passform aber keinen Abbruch, wie ich finde.
Einzig die Ärmel könnten etwas länger sein. Ich habe sie ganz knappkantig gesäumt - beim nächsten Mal würde ich ein paar Zentimeter Länge hinzugeben und vielleicht eine kleine Manschette mit einem Knöpfchen dazu arbeiten.

Die Fotos sind übrigens beim Gartenfest des Nachbarn entstanden. In dessen traumhaften Garten gibt viele Ecken und Winkel mit kleinen Kunstwerken, die allesamt erst einmal entdeckt werden wollen.

Für diese Sorbetto-Version habe ich 1.30 m Stoff verbraucht, der meine Juli-Bilanz bei der Stoffdiät etwas aufhübscht. Über den Sommer war ich nämlich etwas nähfaul - ging euch das auch so?





Mittwoch, 14. Juni 2017

Engelchen und Teufelchen und die Zipfeljacke

Ich liebe Jäckchen. Ob gestrickt oder genäht, ich finde, Jacken kann man nie genug haben. Da ich gerne mal friere, mir aber auch genau so schnell mal zu warm ist, ist ein Jäckchen für mich da optimale Kleidungsstück. Schnell an- oder ausgezogen, ganz unkompliziert.

Seit neuestem liebe ich auch die Farbe Pink, um die ich meine Garderobe im Rahmen des Spring Style Alongs von Alex erweitert habe. Bei Stoff & Stil sprang mich ein wunderbar leichter Wollstrick direkt an und löste einen Gewissenskonflikt aus. Engelchen 😇und Teufelchen😈 lieferten sich folgenden Dialog:
😇- Es herrscht Stoffdiät!
😈- Aber ich war so tapfer und fleißig im Mai!
😇- Es wird kein Stoff gekauft!
😈- Aber die Farbe ist so toll!
😇- Sei standhaft, dann kannst du stolz auf dich sein!
😈- Ich werde ihn doch gleich vernähen, und zwar zu einer Zipfeljacke!
😇- Du brauchst aber keine Zipfeljacke.
😈- ICH WILL ABER DEN STOFF!
Damit schmiss sich das Teufelchen😈 schreiend und strampelnd auf den Boden, und produzierte dabei übelriechende Schwefelwolken. Engelchen 😇 rollte mit den Augen und verließ pikiert die Szenerie.
1,80 m des herrlichen Wollstricks wanderten in meinen Einkaufskorb.

Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt: Ich war zweimal standhaft, und habe den Stoff erst beim dritten Besuch in der Filiale mitgenommen. Nämlich, als ich den Ersatz für den verfärbten Courtelle-Jersey abholte, der zu meinem Ringelshirt wurde. Wahrscheinlich waren die Schwierigkeiten, die ich beim Nähen des Shirts hatten, der Karmaausgleich für den zusätzlichen Stoffkauf des Wollstricks?

Wie es häufig ist, schwebte mir beim Befingern des Gewebes gleich ein Schnitt vor. Der Stoff sprach zu mir: "Ich will eine Zipfeljacke werden, die von Schneidern-naehen.de!"

Der Schnitt ist kostenlos in S, M und L erhältlich, zusätzlich gibt es eine einfache, gut nachvollziehbare Anleitung. Ich habe Größe L genäht, finde die fertige Jacke aber ganz schön großzügig. M hätte es vermutlich auch getan.

Und tatsächlich folgte ich dem gefassten Vorsatz, den Stoff gleich zu vernähen. Freitags gekauft und samstags genäht. Streng genommen zählt er also gar nicht für die Stoffdiät, weil er niemals in meiner Stoffkiste eingezogen ist.

Der Schnitt ist schnell und einfach zu nähen, so etwas gefällt mir natürlich. Allerdings empfehle ich den Einsatz einer Overlock-Maschine, das geht einfach viel schneller und vor allem sauberer als mit der normalen Maschine. Da ich natürlich keine vier Konen in pink besitze, habe ich ein bisschen getrickst und verschiedene Pinktöne aus meinem Fundus aufgefädelt:
Die Kanten des Schalkragens habe ich allerdings mit dem Rollsaumfuß und der normalen Maschine genäht. Ich fürchtete
a) dass die Pinkvorräte nicht reichen würden für einen Overlock-Rollsaum, und
b) scheute ich mich vor dem Umbauen der Ovi für den Rollsaum. Mit meiner neuen Maschine habe ich das nämlich noch nie gemacht. (Das hat sich am vergangenen Wochenende geändert, und es war ganz einfach - aber das ist eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt.)
So habe ich aus meinem Nähfußsortiment auch den Rollsaumfuß ausprobiert, mit dem ich bisher auf Kriegsfuß stand, und tatsächlich ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Darauf bin ich echt stolz!

Hätte ich mich getraut, den Rollsaum mit der Ovi zu nähen, wäre das Jäckchen noch schneller fertig gewesen. Aber auch so reichte ein Nachmittag zum Schnitt zusammenkleben, Stoff zuschneiden und Nähen. Alles ganz problemlos.
Den Saum und Ärmelabschluss habe ich konventionell mit der Zwillingsnadel genäht, vorher aber die für meinen Geschmack doch sehr langen Zipfel (sie reichten mir bis an die Knie) um ca 10 cm gekürzt. Die hintere Länge habe ich beibehalten.
Und so gefällt sie mir nun sehr gut, meine Zipfeljacke:
Die Fotos hat die liebe Kape Anlumi aufgenommen, beim Nähwochenende in Noer bei Eckernförde. Hier trafen sich am Muttertagswochenende knapp 30 Nähverrückte. Wer mer darüber lesen möchte: hier geht es zu meinem Blogbeitrag dazu. Es war wieder ein ganz wunderbares Wochenende!

 Bei dem grauen Wetter am Strand ist meine Jacke ein echter Farbklecks.
Das weiche Material (angeblich 100% Wolle, aber bei 40°C in der Maschine waschbar) macht noch zusätzliche gute Laune und trägt sich ganz wunderbar. Noch dazu ist die Jackemit vielen Stücken aus meinem Kleiderschrank kombinierbar. Mit langärmeligem Shirt darunter wird sie mich sicher auch im Herbst noch begleiten. Somit kann ich ganz stolz behaupten, dass ein neues Lieblingsstück meine Garderobe bereichert - und somit heute beim Memademittwoch vorgestellt werden kann.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Die Ameisenkante

Beim Frühlingsjäckchen-Knit-Along habe ich mir einen wunderbaren Pullover, den Hint of Summer gestrickt. Wegen der VoKuHiLa-Saumkante, die vorn vielleicht doch ein bisschen kurz geraten ist,  wollte er ein passendes Shirt zur Ergänzung.
Die Wahl fiel auf "Faded Stripes" aus Ottobre 2/15, ein einfaches Shirt mit überschnittenen Schultern und Schulterpassen. Vier Teile, Einfassungen für Halsloch und Ärmel, lässiger Look, das überzeugte mich als schnelles Projekt zwischendurch.
Trotz Stoffdiät habe ich den Jersey zum Projekt bei Stoff & Stil gekauft (und gleich vernäht, also kein Problem für die Diät). Er hat eine leicht gerippte Oberfläche und ist ansonsten einfach weiß.

Zuschnitt und Nähen waren kein Problem, an einem Nachmittag war das Shirt fertig und natürlich in der Länge auf den Hint of Summer angepasst.
 Allerdings war es so nackig weiß doch ein bisschen langweilig, es fehlte der letzte Schliff.
Die Muse küsste mich beim Lesen von diesem Post von Frau Wollixundstoffix. Eine kleine Handstickerei gab die besondere Note bei ihrem Kleid - so was wollte ich für das Shirt auch!

Ein Faden des blauen Garns aus den Resten der Pulloverstrickerei, einfache kleine Vorstiche entlang der Schulterpassen und Halsausschnitte: So entstand die "Ameisenkante" (denn die Stiche sehen aus wie die umlaufende Auswahlkante bei Bildbearbeitungsprogramme, die der kleine Sohn einer Bekannten so lustig getauft hat).

Damit ist das Shirt nun richtig fertig:
 Durch den weiten Schnitt und die überschnittenen Schultern ist das Shirt überaus bequem und lässig, und natürlich vielseitig kombinierbar.

Ich hatte es bei einem Ausflug nach Fürth an, wo wir ein Wochenende bei der Hochzeit meiner ältesten Freundin verbracht haben. Neben den Tragefotos will ich auch ein paar Eindrücke dieses schnuckeligen Städtchens mit euch teilen, wo ich so einige Überraschungen außerhalb der üblichen Sehenswürdigkeiten entdeckt habe: 
In Fürth gibt es nämlich Drachen. Wieso der wohl vor einer Schule liegt? Ist das vielleicht Frau Mahlzahn? Oder Fuchur? (ich hatte einen Lehrer, dessen Vespa Fuchur hieß, die war auch vanillegelb)
Und jede Menge Buntstifte! Im nahen Nürnberg wurde nämlich der Bleistift "erfunden", und diese Zunft hat dort Tradition (Staedtler und Faber Castell kommen nicht von ungefähr aus dieser Gegend).
Ich bekam gleich irre Lust zu zeichnen, am liebsten hätte ich den Staedtler-Laden leergekauft!
Und es gibt einen leider verwaisten, aber immer noch echt kultigen ehemaligen Autosalon mit angeschlossener Tankstelle und Werkstatt. Beim Anblick dieses Gebäudeensembles wuchsen mir förmlich Petticoat und Pfennigabsätze, so stark fühlte ich mich in die 50er Jahre zurückversetzt. Ich konnte mir ganz genau die blank polierten Autos im Schauraum vorstellen, bestimmt stand da ein rotes Cabrio im Schaufenster! Schade, dass es so etwas heutzutage nicht mehr gibt.

 Hinter dieser wunderschönen Tür verbirgt sich ein Innenhof, in dem noch eine Gleisanlage zu erkennen ist. Wenn man sich hineinwagt, sieht man Werkstätten und einen großen Schlot; das Gelände beherbergte früher eine Kürschnerei. Hier ist auf einem Schild vermerkt, dass der Schlot vor vielen Jahren saniert wurde, um einem Storchenpaar Heimat zu bieten, das sich seither jedes Jahr dort einfindet. Leider waren Storchens an diesem Samstag Vormittag nicht zu Hause, aber die Geschichte mag ich wirklich gern!

Mein Shirt mag ich auch gern, hier für euch noch mal eine Detailaufnahme mit Ameisenkante:


Was mich an dem Projekt ganz besonders fasziniert hat, ist die Tatsache, dass sich mit geringem Aufwand und ohne große Schwierigkeiten ein ganz toller Effekt erzielen ließ, der das Shirt wirklich aufwertet. Ich habe mir ganz fest vorgenommen, so etwas wieder einmal auszuprobieren. 

Mit meinem Shirt geht es nun zum Memademittwoch. Sybille zeigt uns heute die Bielefelder Kunsthalle in einem Namedpatterns-Schnitt.
Und endlich einmal passt ein Kleidungsstück auch zu den 12 Colours of handmade fashion - die Farbe für den Mai ist nämlich weiß. 





Dienstag, 30. Mai 2017

Am Ende wird alles gut... Ringelshirt

Ringel sind heute Thema beim MeMadeMittwoch.
Da kann ich doch mithalten! Ringel gehören seit zwei Jahren zu meinem festen Beuteschema. Bestimmt fünf Ringelshirts habe ich mir inzwischen genäht, eines davon ist noch ganz frisch. Aber der Reihe nach!

Ihr kennt das sicher: Springstoffe! Die euch im Regal anspringen, sich an euch klammern und erst nach dem Bezahlvorgang Ruhe geben? Dieses Erlebnis hatte ich mit diesem wunderschönen Courtelle-Jersey, den ich im März bei einem Besuch in der örtlichen Stoff & Stil-Filiale entdeckt habe.
Keine Frage, der musste mit, ich hatte keine Chance, und mir schwebte auch schon ein wunderbares Projekt vor: "Poetic Lace" aus Ottobre 5/16, gekürzt zum Shirt.
Die Kragenlösung fand ich sehr interessant, so etwas wollte ich unbedingt nähen, und zwar beim Nähtreffen auf Schloss Noer.
Doch es schien, als stünde das Projekt unter keinem guten Stern. Den frisch erbeuteten Stoff habe ich sofort gewaschen, und erlebte eine böse Überraschung, als ich ihn aus der Maschine geholt habe: 
 Bis zum Nähtreff war nicht mehr allzuviel Zeit, und ich arbeitete schon an einem Ersatzprojekt, während ich den verfärbten Stoff reklamierte. Stoff & Stil war sehr flink und entgegenkommend, man schnitt mir einen neuen Meter zu und hinterlegte ihn für mich in der Filiale, wo ich ihn ganz knapp vorm Nähtreffen abholte. Diesmal überstand der Jersey die Wäsche problemlos, wurde zugeschnitten und eingepackt.

Nachdem mein erstes Projekt, das Kirschblütenkleid, fertiggestellt war, sollte das Shirt ein entspanntes Zwischendurchprojekt werden. Doch das schlechte Karma setzte sich fort. Ein Ausrutscher mit der Ovi, und ein hässliches großes Loch klaffte in der linken Schulter:


Und natürlich war kaum noch Stoff übrig, um noch einmal ein Vorderteil zuschneiden zu können. Was für ein Jammer!
Was tun? Gut, dass ich mit meinen Mitnäherinnen beratschlagen konnte. Und tatsächlich fand sich eine Lösung. 

Die beiden "Flügel", die vom Rückenteil auf das Vorderteil überlappen, habe ich neu zugeschnitten und entlang eines Ringels neu zusammengenäht.
Alles ordentlich aufgebügelt - sieht kein Mensch. Und wenn, sieht es "gewollt" aus.

Was für ein Glück!

Alle weiteren Schritte habe ich mit äußerster Vorsicht und ausnahmsweise nicht mit der Ovi genäht, sondern mit der normalen Nähmaschine. Sicher ist sicher.
Und so war am Ende des 3. Tages auf Schloss Noer tatsächlich meine kleine Dramaqueen fertig:


Und nur geübte Adleraugen sehen kleine Unregelmäßigkeiten. Das Zusammensetzen der Vorder- und Rückenteile war nämlich gar nicht so einfach. Und leider verzeihen Ringel kleine Schlampereien nicht. Aber das Shirt gefällt mir trotzdem, und das Material ist einfach großartig. Ganz weich, dabei hat der Courtelle einen schweren Fall, ohne sich wirklich schwer anzufühlen.

Beim Kunsthandfest im Nachbardorf am Himmelfahrtswochenende habe ich das Shirt ausgeführt, und möchte wie immer ein paar Einrücke mit euch teilen:
Vier ortsansässige Künstler öffnen jedes Jahr ihre Ateliers, laden weitere Künstler und Kunsthandwerker ein, und das ganze Dorf ist das Wochenende über im Ausnahmezustand. Natürlich kann man nicht nur gucken, sondern darf auch kaufen und sich vor allem mit den Künstlern austauschen. Die Auswahl der Aussteller ist jedes Jahr ein bisschen anders, und es gibt auch ein Rahmenprogramm mit Musik und Gesang. 

Hier ist der Kaffeegarten, der sich bis zur Trave erstreckt. Ist es nicht herrlich dort? Die Segelschiffe aus der Werkstatt von Udo Hoffer sind aus Keramik und haben hauchdünne Segel aus Porzellan. Wunderschön!

Der Kaffeegarten endet direkt an der Trave, wo ein paar Vatertagsausflügler sich beim Stehpaddeln vergnügten.

Der Kaffeegarten gehört zu dem Gelände einer Antikmöbelrestauration von Uwe Kolschegg. Neben wunderbaren (leider unbezahlbaren) restaurierten Antiquitäten gibt es dort auch jede Menge Kleinkram zu bestaunen, von der alten Badewanne bis hin zum Nähkästchen aus Omas Zeiten (meine hatte genau so eines):


 Den Handtuchhalter fand ich besonders reizend, denn hier wird für Ordnung gesorgt:
Gläsertuch - Tellertuch - Wischtuch - Handtuch. Alles klar!


Ein kleiner Blick in den privaten Garten - bei "Künstlers" geht es auch privat kunstvoll zu.

Besonders hat mir mir auch diese kleine Wildfamilie aus der Schmiede von Isabel und Kurt Lange.

Und diese von Hand geprägten (punzierten) Sporenriemen - sind sie nicht eine Augenweide? Ich habe zugesehen, wie die Prägung "eingemeißelt" wurden, eine Wahnsinnsarbeit, und wunderschön!

Es war wieder ein gelungener Ausflug, und mit meinem Shirt war ich dem Wetter entsprechend luftig gekleidet (und doch ausreichend vor der Sonne geschützt). 
Ob ich es allerdings noch einmal nähen würde, kann ich nicht sicher sagen. Falls ja, dann einfarbig, und ohne Beleg, sondern wie in der Anleitung vorgesehen, mit Einfassstreifen an den Halsausschnittkanten. Und ich werde mir merken, dass ich ganz ganz exakt sein muss beim Anbringen der Markierungen!

Wie sich die anderen Damen so ringeln, werde ich mir jetzt einmal in Ruhe ansehen. Bestimmt springt mich wieder eine Idee an... aber das ist ja das Tolle am Memademittwoch, der stets sprudelnden Quelle an Inspirationen! An dieser Stelle einmal noch ein ganz herzliches Dankeschön an das Moderatorenteam, das neue Konzept mit Monatsthemen und Gastbloggern finde ich sehr sehr schön, und es ist mir jeden Mittwoch eine Freude, hier zu sein!